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US-Wahl 2020

 
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    US-Wahl 2020

    Vielleicht erscheint es ein bisschen früh direkt nach den Midterms schon den Thread zu den Präsidentschaftswahlen aufzumachen. Andererseits, das Rennen hat de facto gestern angefangen. Natürlich das Rennen um die Präsidentschaft, aber zunächst einmal um die Kandidatur für die Demokraten.

    Ich denke, wir dürfen insgesamt mit ca. 15-20 Kandidaten rechnen, einige haben ihr Interesse schon durchscheinen lassen, offiziell hat aber noch niemand seine Kandidatur erklärt. Das dürfte aber in den nächsten Tagen und Wochen geschehen, wenn die Aufmerksamkeit etwas von den Midterms und der Sessions-Geschichte wegweht, da werden die ersten auch offiziell den Hut in den Ring werfen.

    Ich will jetzt mal nicht alle Kandidaten durchkaspern, da kann man ja ganze Bücher drüber schreiben. Nur in aller Kürze, ich glaube nicht, dass die Demokraten jemanden nehmen, der über 70 ist, d.h., obwohl die alle zu den Frontrunnern der ersten Kategorie gezählt werden, scheinen mir Sanders, Warren und auch Biden nicht die Kandidaten zu sein, die wirklich für Aufbruch stehen. Sicher werden Harris und Bnooker gute Chancen haben, beide werden auch ziemlich sicher antreten. Ich denke, der natürliche Favorit ist O'Rourke, falls er denn antritt. Auch wenn er am Ende knapp verloren hat, hat er geziegt, dass er in einem tiefroten Staat bis auf 2 % herankommen kann, er hat mit seinem Wahlkampf und seinem Charisma sicher drei Kongressitze für die Demokraten klargemacht, die in seinem Fahrwasser mitgezogen wurden. Fall er sich zur Kandidatur entschließt, das ist keinesfalls sicher, wird er schwer zu schlagen sein aus heutiger Sicht.

    Es gibt noch ein paar andere interessante Leute, die alle ihre pros und cons haben. Der Kandidat, auf den ich jetzt mal ein paar Pennies setze ist Sherrod Brown. Brown hat gerade den Senatssitz in Ohio verteidigt. Hier ein die wichtigsten Punkte, die Brown zu einem interessanten Kandidaten machen:
    - Bringt mit Ohio einen der wichtigsten Swing-States mit
    - Gilt als relativ links / progressiv, ist also auch dem Sanders / Warren - Lager gut zu verkaufen, strahlt aber auch in den moderaten Flügel der Partei hinein
    - Am wichtigsten: Die Demokraten haben grob zwei Pfade, um die Präsidentschaft zu gewinnen. Entweder sie setzen auf die Minderheiten, also Latinos und Afroamerikaner, die LBGTQs usw. und versuchen damit Obamas Strategiue wiederzubeleben. Dafür wären Kamala Harris oder Cory Booker die richtigen Kandidaten, weil die in diesem Lager vermutlich am besten mobilsieren können (oder O'Rourke mit einem farbigen Running-mate). Oder aber, man setzt darauf den mittleren Westen zurück zu gewinnen, also Pennsylvannia, Michigan, wisconsin udn eben Ohio, gerade die staaten, die Clintin haarscharf verloren hat, weil die Demokraten die enttäuschte weiße Wählerschicht dort vernachlässigt haben. Dazu wäre Biden ein geeigneter Kandidat - oder eben Sherrod Brown, der deutlich jünger ist als Biden.

    Unter dem Strich hat Brown durchaus Aussichten falls er denn kandidiert. Nachdem in Georgia und Florida zwei Gouverneurswahlen mit farbigen Kandidaten knapp gescheitert sind, ist es sehr gut denkbar, dass ein Großteil der demokratischen Basis auf Nummer sicher gehen will, und da wäre Brown ein passender Kandidat. Er ist sicher ein außenseiter, aber viel weniger Außenseiter, als viele im Augenblick anscheinend denken.

    Bet 365 hat derzeit eine Quote von 81 für Brown (Präsidentschaft, nicht Kandidatur), und das erscheint mir deutlich zu hoch. Ich spiele 3 x 0,2 Einheiten zur Quote von 81. Ich spekuliere auf Folgendes: Wenn er seine Kandidatur verkündet und man sich mal genauer damit beschäftigt, was er denn in die Waagschale zu werfen hat, dürfte seine Quote deutlich sinken je nachdem ob O'Rourke auch kandidiert auf irgendwas um die 30-40, das heißt, da kann man 0,2 Einheiten zurück kaufen. Wenn es dann die heie Phase geht und er sich in den ersten Debatten nicht dämlich anstellt, die ersten vorwahlen okay laufen und er sich im Feld der 3-5 aussichtsreichsten Kandidaten etablieren kann, kann man noch einmal 0,2 Einheiten zurück kaufen. Na,und die verbliebenen 0,2 Einheiten behalte ich dann mal bis zum Wahlsieg ...

    Noch einmal, Brown ist ein Außenseiter, ich würde da jetzt echt die ganze Farm drauf verwetten. Aber ich glaube, dass jetzt die Zeit startet, wo nach und nach Bewegung in die Quoten kommt - und ein aus meiner sicht sehr plausibles Szenario ist, dass Brown nicht bei den 81 kleben bleibt.

    #2
    Vielleicht ist jetzt schon die Zeit gekommen die Hauptwette zur US-Wahl in zwei Jahren zu setzen. Vielleicht auch nicht, das sehen wir dann, aber ich wage jetzt schon einmal einen relativ großen Einsatz, weil mir der Zeitpunkt günstig erscheint.

    Vor ein paar Wochen habe ich 3 x 0,2 Einheiten Sherrod Brown zu 81 empfohlen, mit dem Gedanken, dass die Quote im Laufe der Zeit sicher sinken wird und man sich mit Gewinn rauskaufen kann. Die Wette finde ich immer noch ganz gut, auf die moderaten Einsätze habe ich ja hingewiesen. Bei Bet steht er inzwischen bei 26, was damit zu tun haben dürfte, dass Brown jetzt auch mal öffentlich laut über eine Kandidatur nachgedacht hat.

    Von den Hauptkandidaten hat aber bis jetzt noch niemand seine Kandidatur offiziell verkündet. Andeutungen gibt es von mehreren Kandidaten, aber Harris z.B. hat verlauten lassen, sie wolle sich über Weihnachten mal mit ihrer Familie beraten, ist ja schließlich eine Familienentscheidung – klaro. Das ist ein Muster, das man auch von anderen Kandidaten erwarten kann, die Feiertage abwarten und dann zum Jahresbeginn die Kandidatur verkünden. Man sollte nicht zu früh starten, weil man dann sofort die große Zielscheibe auf dem Rücken hat, aber zu spät ist auch doof aus 1000 Gründen.

    Eigentlich geht man davon aus, dass 15-20 Kandidaten in den Ring steigen werden, davon gelten als die Frontrunner Kamala Harris, Elizabeth Warren, Joe Biden, Bernie Sanders, O’Rourke, vielleicht noch Cory Booker. Kandidaten der zweiten Reihe sind aus meiner Sicht dann zurzeit Brown, Gillibrand, Amy Klobuchar, Gabbard, Eric Holder und Julian Castro. Alle von den Genannten haben ein paar gute Argumente und könnten sich durchsetzen. Und dann gibt es noch ein paar, die wohl eher Longshots sind: Avenatti, Newsom, Mitch Landrieu, vielleicht Hickenlooper. Und wer weiß, vielleicht taucht auch nochmal jemand ganz anderes auf. Zum gleichen Zeitpunkt 2006 war ein gewisser Barack Obama auch noch ein ziemlicher Außenseiterkandidat im Vergleich zu Hillary Clinton und John Edwards.

    Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders. Und vielleicht hat die Tatsache, dass von den dicken Fischen bisher noch niemand seine Kandidatur verkündet hat vor allem damit zu tun, dass alle darauf warten was denn Beto O’Rourke tun wird. In dem Augenblick, in dem er seine Kandidatur verkündet dürften viele aus der zweiten Reihe, aber auch z.B. Joe Biden noch ein zweites und drittes mal überlegen, ob sie antreten.

    O’Rourke hat während seiner Senatskandidatur eine Kandidatur für die Präsidentschaft immer ausgeschlossen, zum Teil sehr klar. Das ist halt das, was man so sagt, deshalb war das auch vor ein paar Wochen mit viel Skepsis zu lesen. Und jetzt kommt’s: tatsächlich, vor ein paar Tagen hat O’Rourke eine Kandidatur nicht weiter ausgeschlossen:

    https://edition.cnn.com/2018/11/26/p...run/index.html

    Wer es nicht durchlesen mag, halbwegs verklausuliert lässt er seine Kandidatur offen und will erstmal in Ruhe nachdenken, Zeit mit seiner Familie verbringen usw. Es ist aus meiner Sicht nicht ganz eindeutig das zu lesen, weil O’Rourke eben O’Rourke ist, aber klassischerweise ist das in der Politik der Code dafür, seine Kandidatur anzukündigen.

    Und wenn er antritt gewinnt er auch, und zwar erst die Vorwahlen und dann auch die Präsidentschaft, da stehen die Chancen wirklich gut. Da ist es natürlich schwer ein Staking zu empfehlen, letztlich muss das jeder selbst wissen, aber ich setze jetzt mal 5 Einheiten auf „O’Rourke gewinnt die Präsidentschaft“ zu 11 bei Unibet. Ich bin nicht der Riesen-Quotenchecker, aber Unibet ist das Beste, was ich gefunden habe, Bet z.B. gibt nur noch 8.

    Das Staking ist deshalb schwer, weil da ja drei mehr oder fette Bedingungen erfüllt werden müssen:

    Erstens: Er muss antreten. Das ist nach meiner Einschätzung zurzeit am schwersten vorherzusagen. Wie gesagt, normalerweise muss man seine Äußerungen so verstehen, aber wer weiß das schon so genau. Aber das Risiko gehe ich dann mal ein.

    Zweitens: Er muss die Vorwahlen gewinnen – gegen das oben genannte Kandidatenfeld. Da sind schon ein paar Schwergewichte dabei, aber wenn es so viele Frontrunner gibt, gibt es Wahrheit vielleicht keinen. Ich gebe da den Bookies recht, die zurzeit alle Kamala Harris vorne haben, was viel damit zu tun hat, dass die Vorwahlen in Kalifornien diesesmal vorgezogen sind und sie deshalb relativ früh mit einem ganz ganz fetten Deligiertenschub rechnen kann. Aber davor ist trotzdem Iowa, was eine zentrale Weichenstellung sein dürfte. Und so oder so, auch in Kalifornien dürfte Beto wettbewerbsfähig sein. Um es kurz zu sagen, ich rechne ihm sehr sehr gute Chancen ein die Kandidatur zu gewinnen. Vielleicht ist das Rennen tatsächlich viel früher entschieden, als man heute denkt. Und ich denke, viele, die heute als Kandidaten gehandelt werden, treten gar nicht erst an wenn O’Rourke die Kandidatur verkündet.

    Drittens: Er muss dann gegen Trump gewinnen. Auch da stehen die Chancen wohl sehr gut. Es gibt ein paar Kontras, vor allem, dass er leicht (und zurecht) als besonders links gelabelt werden kann (nach amerikanischen Maßstäben). Aber ob ihm das wirklich schadet ist fraglich. Dann gewinnt er halt nicht Indiana, was solls?

    Insgesamt ist O’Rourke die Fortsetzung von Obama mit anderen Mitteln, jung, charismatisch, Bilderbuchfamilie, glaubwürdig, positiv, vereinend. Das dürfte vielen, denen die fortgesetzte Polarisierung auf den Keks geht gut gefallen. Natürlich wird Trump weiter auf gut 40% Holzköpfe setzen können. Aber wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht (Terrorattacke, Trump fängt irgendwo einen Krieg an), ist Beto der klare Favorit.

    Alles in allem: 5 Einheiten zu einer 11er-Quote bei Unibet scheint mir derzeit ganz gut.

    Und nur als Disclaimer: ich bin der Typ, der vor gut zwei Jahren 10/10 auf Clinton gesetzt hat, und das auch noch zu einer Quote von 1,2 empfohlen hat. Im Grunde muss man also sagen, dass ich keine Ahnung habe – sollte man beim Staking also berücksichtigen.
    Zuletzt geändert von Moghul; 04.12.2018, 04:59.

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    • zucki
      zucki kommentierte
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      Trump@2,3 sehe ich als die definitiv bessere Option, würde ich mir ein langfr. Investm. im Wettbereich antun. Bis der Wahlkampf wirkl. beginnt, wird sich da noch einiges pro Trump tun. Da werden sich noch einige wundern, was da auf die Welt zukommt.

    • Moghul
      Moghul kommentierte
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      Bei Bet gibt es für Trump 2,75 Würde ich aber nicht nehmen. Das ist seit Ewigkeiten halbwegs konstant um diesen Wert herum. Und ich sehe nicht, wie sich das verändern sollte. Außer er zettelt irgendwo einen Krieg an halt.

    #3
    Zitat von Moghul Beitrag anzeigen


    Und nur als Disclaimer: ich bin der Typ, der vor gut zwei Jahren 10/10 auf Clinton gesetzt hat, und das auch noch zu einer Quote von 1,2 empfohlen hat. Im Grunde muss man also sagen, dass ich keine Ahnung habe – sollte man beim Staking also berücksichtigen.
    Das kann man getrost unterschreiben.

    Hinzuzufügen wär noch, dass wir hinsichtlich der Demographie der USA nicht noch einmal einen weißen Mann sehen werden, Trump hat alle Vorurteile bestätigt,einen Repeat von Trump kann man wohl ausschließen.

    Hat schon den Altersrekord, glaube kaum dass sich die Amis noch mal 4 Jahre mit einem dann 74jährigen geben wollen.

    Schon vorher wurde auf den White Man ohne Ende eingedroschen, da fühlen sich jetzt eh alle bestätigt also wird man das nicht noch einmal wollen.

    Rubio und Cruz wurden nicht umsonst im letzten Wahlkampf aufgebaut, deren Chancen werden eher steigen als fallen.

    Bei den Demokraten wird es ne Frau oder ein Minderheitenkandidat machen, kein weißer Mann.
    Zuletzt geändert von Groucho; 04.12.2018, 13:52.

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    • Moghul
      Moghul kommentierte
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      Bist ein Großer, Groucho, bist'n Großer!

    • Groucho
      Groucho kommentierte
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      Najanu, immerhin hab ich richtig gelegen und konnte das auch begründen. Scheint dich ja ziemlich zu beschäftigen, wie man so liest...

    • Demokrat
      Demokrat kommentierte
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      Dein Wort ( zu Trump )in Gottes Ohren, damit die Welt wenigstens ein bischen zur Ruhe kommt!
      Zuletzt geändert von Demokrat; 15.03.2019, 16:57. Grund: falsche Zeichen !?

    #4
    Hallo Zusammen,

    wird wohl mal Zeit für ein Update.

    Mal die schlechte Nachricht am Anfang: der Einsatz zur Brown-Wette ist dahin, weil Brown sich entschlossen hat, gar nicht erst anzutreten. Ich hatte Brown zu einem sehr kleinen Einsatz und zu einem Kurs um die 80 empfohlen, weil ich der Meinung war, dass er mehr (also weniger) Wert ist und ich auf die Auscash-Option spekuliert habe. Tatsächlich ist er dann bei den meisten Anbietern relativ schnell um 25 taxiert worden, aber nachdem er letzte Woche angekündigt hat, nun doch nicht anzutreten (obwohl vorher alles klar darauf hindeutete, er schon Fundraising betrieben hat usw.), ist die Kohle futsch – ich selbst habe auch nicht ausgecasht.

    Wie geht es jetzt weiter? Wer nicht weiter lesen will, gleich am Anfang: ich sehe im Augenblick keine Wette, die wirklich lohnenswert scheint. Im Laufe der Primaries werden sich sicher Chancen ergeben, aber zurzeit würde ich nicht setzen. Habe ja vor ein paar Monaten 5 Einheiten auf O’Rourke gesetzt, aber inzwischen ist die Quote nicht mehr attraktiv und ich würde da nicht erhöhen.

    Es gibt ja genügend politische Websites und hinreichend Horse-Racing-Sites, in der alle Kandidaten ständig gerankt werden, da muss ich das hier nicht auch exzessiv tun. Man kann auf jeden Fall sagen, dass es ein sehr sehr interessantes und spannendes, zumindest halbwegs offenes Rennen ist. Ein paar Dinge, die zu Beobachten wohl besonders interessant sind:

    alt vs. jung
    Mit Sanders, Warren und ziemlich sicher Biden treten drei Leute an, die jenseits der 70 sind, Sanders und Biden gehen auf die 80 zu. Das dürfte in der General Election gegen Trump kein großer Nachteil sein, der ja selbst in ein paar Wochen 73 wird. Aber es ist die Frage, ob die Demokraten so jemanden als Zeichen des Aufbruchs und der Erneuerung sehen können – und ob das überhaupt ein wichtiges Kriterium ist.

    Progressiv vs. Moderat
    Ich glaube, dass das am Ende wohl keine wirklich ausschlaggebende Rolle spielt, aber ein Faktor ist es schon. Die Partei ist insgesamt ein gutes Stück nach links gerückt und somit auch fast alle Kandidaten, was ein Nachteil für Warren und Sanders sein dürfte, die so weniger Profilierungsmöglichkeiten haben. Andererseits bleibt da die Frage, wer in der General am besten in das bürgerliche Lager hineinwirken kann. Ein Aspekt, der auf jeden Fall eine Rolle spielen wird, ist die Frage, wie Me-too-tauglich man / frau ist (Nachteil für Biden, wegen der Anita Hill- Anhörung) und ob man Geld von Großspendern angenommen hat (u.a. Biden, O’Rourke, Booker).

    Tradition vs. Moderne
    Zwei Wege führen ins Weiße Haus. Nummer eins zielt auf die enttäuschte weiße Wählerschaft im mittleren Westen und anderswo in Amerika ab. Wenn es den Demokraten gelingt, die drei überwiegend weißen Staaten zurück zu gewinnen, die Trump 2016 haarscharf gewonnen hat, die aber vorher solide demokratisch gewählt haben (Michigan, Wisconsin, Pennsylvannia), ist die Sache wohl gegessen. Das gelingt am besten mit einem weißen Kandidaten, grob aus der Region, am besten mit enger Verknüpfung an die Blue Collars (Biden, Klobuchar, durchaus auch O’Rourke). Der zweite Weg geht über das Wiederbeleben der Obama-Koalition, also über die Mobilisierung der Minderheiten. Das gelingt am besten über einen Kandidaten mit Minderheits-Background, womöglich sogar eine Kandidatin (Harris, Booker, Gabbard, Castro). Ziemlich sicher werden die Demokraten versuchen, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Ich glaube, dass das Ticket aus Kandidat und Vize ziemlich sicher gemischt sein wird, um in beide Zielgruppen hineinstrahlen zu können, also z.B. Biden und Harris, oder Harris und O’Rourke.

    Wählbarkeit, Wählbarkeit, Wählbarkeit
    Meine wichtigste These ist, dass die Demokraten diesesmal nicht die Diskussion führen werden, wer denn der linkeste, puristischste, progressivste Kandidat ist, der / die am glaubwürdigsten die reine Lehre verkörpern kann. Die Demokraten haben bei den Midterms sehr systematisch immer die Kandidaten aufgestellt (und in den Vorwahlen gewählt!), die die höchsten Siegchancen hatten – selbst wenn die für einen Demokraten streng genommen mitunter etwas zu rechts waren. Und das hat wunderbar funktioniert. Ich glaube sehr fest, dass die Demokraten vor allem diskutieren werden, wer Trump schlagen kann und dafür im Zweifelsfall auch die ein oder andere inhaltliche oder biographische Kröte schlucken werden.

    Kalender
    Iowa ist immer noch die erste Vorwahl, dann kommt New Hampshire, danach Nevada (glaube ich), so weit alles wie immer. Aber danach haben die Demokraten die Reihenfolge geändert, Kalifornien liegt zeitlich sehr weit vorne. Das ist deshalb von Bedeutung, weil man natürlich ständig schauen wird, wie viele Stimmen die Kandidaten schon gesammelt haben. Wer im Zwischenstand vorne liegt, bekommt am meisten Aufmerksamkeit. Das dürfte in diesem Fall einen fetten Vorteil für Kamala Harris bedeuten, die aus Kalifornien (wie Stimmen) kommt und deshalb wohl früh mit einem großen Vorsprung rechnen kann und damit dann als Frontrunnerin gelten dürfte. Sowas kann dann schnell ein Selbstläufer werden. Allerdings ist diesmal auch Texas weit vorne, Vorteil O’Rourke und Castro.

    Wenn man das alles zusammenrechnet, dann bin ich zum einen mit meinem Einsatz auf O’Rourke immer noch ganz glücklich. O’Rourke hat definitiv den Nachteil, dass er in seiner politischen Vita de facto sehr sehr wenig vorzuweisen hat. Auch dass er Spenden aus der Ölindustrie angenommen hat, dürfte ihm negativ ausgelegt werden. Aber andererseits punktet er mit seinem Charisma, seinem integrativen Ansatz, seiner Strahlkraft in das weiße und zugleich in das Latino-Lager. Starker Kandidat. Es ist viel zu früh im Prozess, aber, er ist ein starker Kandidat.

    Auch Biden ist für mich sehr gut vorstellbar, trotz der oben erwähnten Minuspunkte. Biden wäre ein halbwegs sicherer Kandidat für die General Election, die play-it-safe-Variante. Wenn die Partei vor allem das will, dann hat Biden sehr gute Chancen, selbst wenn er nicht gerade Aufbruch verkörpert.

    Wenn man darauf wetten könnte, dann würde ich darauf setzen, dass Sanders es nicht wird. Sanders hat immer noch eine hochmotivierte Anhängerschaft und seine Fundraising-Zahlen sind beeindruckend. Aber er dürfte in der General kaum wählbar sein, nicht nur wegen seines Alters. Der letzte, der einen grundlegenden Umsturz wollte und dann Präsident wurde war George Washington und das ist fast 250 Jahre her, sorry Bernie. Wenn es wirklich so ist, dass Wählbarkeit das zentrale Kriterium wird, dann ist Bernie raus und auch Warren.

    Im Augenblick liegen in den Umfragen immer Sanders und Biden vorne. Aber darauf darf man gar nichts geben. Das liegt schlicht an der Bekanntheit, sobald der Prozess mal etwas ins Laufen gekommen ist und die Leute sich auch mit den anderen Kandidaten beschäftigt haben, mendelt sich das raus.

    Wie gesagt, es gibt eine Menge interessante Kandidaten, jede/r hat ein paar gute Pluspunkte und ein paar Minuspunkte. Aber für den Augenblick haben für mich O’Rourke und Biden die Nase vorn. Wetten würde ich zu den Quoten, die ich kenne, aber derzeit nichts.

    Kommentar


      #5
      So, ganz langsam nimmt das Rennen ein paar Konturen an und es gibt ein paar interessante Entwicklungen.

      Wetttechnisch interessant sind im Augenblick drei bis vier Dinge aus meiner Sicht.

      Biden
      Zum einen: man munkelt, dass Biden in dieser Woche seine Kandidatur erklären wird. Das wäre aus mehreren Gründen auch ein logischer Zeitpunkt. Biden hatte zuletzt ein paar Probleme, weil ihm mehrere Frauen unangemessenes Verhalten vorgeworfen haben. Gemessen an Trump-Standards, der sich damit brüstet, Frauen ungefragt in den Schritt zu fassen, hat Biden nichts Gravierendes getan, mal ungefragt mit einer Frau genäselt, mal an den Haaren einer Parteikollegin gerochen, so etwas. Biden ist Mitte 70, in der Zeit, in der sozialisiert wurde, war das wohl normales Verhalten. Aber heute, in Zeiten von Me-too sieht man das ein bisschen anders. Das interessante ist aber, dass der Sturm wohl vorüber gezogen ist, es hat ihm in den Umfragen nicht nachhaltig geschadet. Im Augenblick bekommt man für Biden als Präsident so 10-11, als Kandidat entsprechend weniger. Wenn er diese Woche wirklich erklärt, dann dürfte das kurzfristig kräftig sinken. Ganz generell, wenn ich nur auf einen einzigen Kandidaten setzen dürfte, dann wäre das zurzeit Biden. Biden ist der, auf den sich wohl alle irgendwie einigen können. Er bietet viele Angriffspunkte, was nunmal nicht ausbleibt, wenn man 50 Jahre in der Politik war, aber eben auch genügend Pluspunkte. Und er wäre, trotz seines Alters, wohl der Kandidat, der Trump mit der höchsten Wahrscheinlichkeit schlägt. Und ich glaube, darauf kommt es am Ende an. Ich denke, alle Kandidaten werden vor allem unter diesem Wählbarkeitsaspekt betrachtet und man wählt dann eben den oder die, von dem man am ehesten annimmt, dass er oder sie gegen Trump gewinnt. Und das ist in dem Fall wohl Biden – selbst wenn da alle ein paar Kröten schlucke müssten.

      O‘ Rourke
      O‘ Rourke (oder, der Einfachheit halber einfach Beto) hat in den Kursen zuletzt deutlich nachgelassen und ist jetzt bei den meisten Anbietern irgendwo bei 17-19 gelandet. Für mich ist dafür kein ernsthafter Grund erkennbar außer der absehbaren Kandidatur Bidens – die beiden konkurrieren letztlich wohl um ein ähnliches Klientel. Insofern ist Bidens Kandidatur keine gute Nachricht für Beto, aber auch kein Beinbruch, weil eh erwartbar gewesen. Beto ist bis jetzt ja meine einzige Wette (zumindest von denen, die ich hier gepostet habe) und zu den Kursen kann man wohl nochmal zwei Einheiten oder so nachlegen. Beto hat gut Geld gesammelt und liegt im Fundraising an dritter Stelle hinter Sanders und Harris, was normalerweise ein guter Indikator ist. Entscheidend dürften die nächsten ca. 3 Monate werden Im Juni ist die erste Debatte, das dürfte so etwas wie der offizielle Startschuss der Kampagne sein. Dabei ist erstens die Frage, wer darf überhaupt mitmache, bei inzwischen 19 oder 20 Kandidaten nicht so leicht zu beantworten, derzeit plant man gleich zwie Debatten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Und zweitens dürfte sich dann auch schnell herausstellen, wer wirklich ein ernsthafter Kandidat ist und wer nicht. Wenn Beto sich nicht dämlich anstellt, dann dürfte er als einer der führenden, zumindest beachteten Kandidaten in den Juli gehen. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, ob er es am Ende wird oder nicht, aber ich glaube, im Juli bekommt man keine 19er-Kurse mehr.

      Sanders
      Sanders ist bei den meisten Bookies der Top-Favorit unter den Demokraten. Und dafür gibt es auch ein paar Gründe. Aber trotzdem halte ich ihn für vollkommen überschätzt. Wenn ich bei Betfair spielen könnte, würde ich ihn kräftig layen, auch wenn ich da grad die Kurse nicht kenne. Sanders hat eine sehr motivierte Fangemeinde, grade unter jungen Demokraten. Er führt auch das Fundraising-Ranking an, wenn Sanders eine Rundmail schickt, und um Geld bittet, dann sackt der aus dem Stand ein paar Millionen ein. Aber, ich sehe mehr Schwierigkeiten als Vorteile. Mein wichtigster Vorbehalt ist der mit der Wählbarkeit. Sanders ist zwar ein allseits geschätztes Partei-Maskottchen (obwohl er formal gar nicht der Partei angehört), aber jeder weiß, dass er trotz allen Charismas gegen Trump schlechte Chancen hat. Wer als Sozialist auftritt, selbst wenn er nach unseren Maßstäben allerhöchstens Sozialdemokrat ist, wird in den USA eher nicht gewählt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die das Risiko eingehen, so einen aufzustellen. Dazu kommt, dass viele seiner Positionen inzwischen auch von anderen Kandidaten vertreten werden, er kann sich also nicht unbedingt programmatisch absetzen. Auch fehlt ihm die Zustimmung, die er 2016 noch hatte, weil es außer ihm mit Clinton nur eine andere, sehr unbeliebte Kandidatin gab. Schließlich, einige Bundesstaaten haben das Wahlsystem von Caucus auf Primary geändert. Dieses Caucus-System begünstigt Kandidaten, die eine sehr eingeschworene, motivierte Fangemeinde haben, wie das bei Sanders der Fall ist. Bei Primaries geht man einfach wählen, fertig. Unter dem Strich: Sanders wird eine Rolle spielen, aber ich sehe nicht, dass er gewinnen kann.

      Buttigieg
      Die große Überraschung in diesem Wahlkampf ist bis jetzt Pete Buttigieg, kannte vorher niemand. Ist der Bürgermeister eines 100.000-Einwohnerkaffs in Indiana und hat einen extrem chicen Lebenslauf vorzuweisen. Buttigieg ist deshalb so stark gestiegen, weil er jung, sehr charismatisch, gut aussehend und eloquent ist, mit ein paar gut verkaufbaren progressiven Ideen. Ein perfekter Kandidat. So wie bei Beto drängt sich da ein Vergleich mit Kennedy auf. Deshalb gibt es bei den meisten Bookies auch nur noch Kurse von so ca. 12 für Buttigieg als Präsident. Wie bei Sanders, würde ich auch aber auch hier kräftig layen, wenn ich könnte. Ob jetzt oder später, ist ne andere Frage. Buttigieg wird sich auch bei den Debatten hervorragend schlagen, da bin ich sicher. Und warum wird er am Ende trotzdem nicht gewinnen? Ist bekennend schwul und verheiratet. Auch wenn das natürlich völlig absurd ist, ich glaube nicht, dass die USA so weit sind, einen 37 Jährigen Schwulen zum Präsidenten zu wählen (von mangelnder politischer Erfahrung mal abgesehen). Wie gesagt, meine Kernthese ist, dass die Demokraten in erster, zweiter und dritter Linie Trump aus dem Amt gewählt sehen wollen. Und dann gehen sie bei der Wahl des Kandidaten kein Risiko ein und nehmen einen Schwulen, das sehe ich nicht. Bescheuert, aber so ist es wohl.

      Bis zur ersten Wahl in Iowa sind es noch ca. 10 Monate. Bis dahin passiert noch viel. Man wird sehen, was aus Kandidaten wie Booker, Harris, Warren. Klobuchar, Gillibrand oder Castro wird, die auch jeweils interessante Leute sind, aber erstmal sehe ich da keine interessanten Wetten.

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        #6
        Zitat von Moghul Beitrag anzeigen
        Hallo Zusammen,

        wird wohl mal Zeit für ein Update.

        Mal die schlechte Nachricht am Anfang: der Einsatz zur Brown-Wette ist dahin, weil Brown sich entschlossen hat, gar nicht erst anzutreten. Ich hatte Brown zu einem sehr kleinen Einsatz und zu einem Kurs um die 80 empfohlen, weil ich der Meinung war, dass er mehr (also weniger) Wert ist und ich auf die Auscash-Option spekuliert habe. Tatsächlich ist er dann bei den meisten Anbietern relativ schnell um 25 taxiert worden, aber nachdem er letzte Woche angekündigt hat, nun doch nicht anzutreten (obwohl vorher alles klar darauf hindeutete, er schon Fundraising betrieben hat usw.), ist die Kohle futsch – ich selbst habe auch nicht ausgecasht.

        Wie geht es jetzt weiter? Wer nicht weiter lesen will, gleich am Anfang: ich sehe im Augenblick keine Wette, die wirklich lohnenswert scheint. Im Laufe der Primaries werden sich sicher Chancen ergeben, aber zurzeit würde ich nicht setzen. Habe ja vor ein paar Monaten 5 Einheiten auf O’Rourke gesetzt, aber inzwischen ist die Quote nicht mehr attraktiv und ich würde da nicht erhöhen.

        Es gibt ja genügend politische Websites und hinreichend Horse-Racing-Sites, in der alle Kandidaten ständig gerankt werden, da muss ich das hier nicht auch exzessiv tun. Man kann auf jeden Fall sagen, dass es ein sehr sehr interessantes und spannendes, zumindest halbwegs offenes Rennen ist. Ein paar Dinge, die zu Beobachten wohl besonders interessant sind:

        alt vs. jung
        Mit Sanders, Warren und ziemlich sicher Biden treten drei Leute an, die jenseits der 70 sind, Sanders und Biden gehen auf die 80 zu. Das dürfte in der General Election gegen Trump kein großer Nachteil sein, der ja selbst in ein paar Wochen 73 wird. Aber es ist die Frage, ob die Demokraten so jemanden als Zeichen des Aufbruchs und der Erneuerung sehen können – und ob das überhaupt ein wichtiges Kriterium ist.

        Progressiv vs. Moderat
        Ich glaube, dass das am Ende wohl keine wirklich ausschlaggebende Rolle spielt, aber ein Faktor ist es schon. Die Partei ist insgesamt ein gutes Stück nach links gerückt und somit auch fast alle Kandidaten, was ein Nachteil für Warren und Sanders sein dürfte, die so weniger Profilierungsmöglichkeiten haben. Andererseits bleibt da die Frage, wer in der General am besten in das bürgerliche Lager hineinwirken kann. Ein Aspekt, der auf jeden Fall eine Rolle spielen wird, ist die Frage, wie Me-too-tauglich man / frau ist (Nachteil für Biden, wegen der Anita Hill- Anhörung) und ob man Geld von Großspendern angenommen hat (u.a. Biden, O’Rourke, Booker).

        Tradition vs. Moderne
        Zwei Wege führen ins Weiße Haus. Nummer eins zielt auf die enttäuschte weiße Wählerschaft im mittleren Westen und anderswo in Amerika ab. Wenn es den Demokraten gelingt, die drei überwiegend weißen Staaten zurück zu gewinnen, die Trump 2016 haarscharf gewonnen hat, die aber vorher solide demokratisch gewählt haben (Michigan, Wisconsin, Pennsylvannia), ist die Sache wohl gegessen. Das gelingt am besten mit einem weißen Kandidaten, grob aus der Region, am besten mit enger Verknüpfung an die Blue Collars (Biden, Klobuchar, durchaus auch O’Rourke). Der zweite Weg geht über das Wiederbeleben der Obama-Koalition, also über die Mobilisierung der Minderheiten. Das gelingt am besten über einen Kandidaten mit Minderheits-Background, womöglich sogar eine Kandidatin (Harris, Booker, Gabbard, Castro). Ziemlich sicher werden die Demokraten versuchen, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Ich glaube, dass das Ticket aus Kandidat und Vize ziemlich sicher gemischt sein wird, um in beide Zielgruppen hineinstrahlen zu können, also z.B. Biden und Harris, oder Harris und O’Rourke.

        Wählbarkeit, Wählbarkeit, Wählbarkeit
        Meine wichtigste These ist, dass die Demokraten diesesmal nicht die Diskussion führen werden, wer denn der linkeste, puristischste, progressivste Kandidat ist, der / die am glaubwürdigsten die reine Lehre verkörpern kann. Die Demokraten haben bei den Midterms sehr systematisch immer die Kandidaten aufgestellt (und in den Vorwahlen gewählt!), die die höchsten Siegchancen hatten – selbst wenn die für einen Demokraten streng genommen mitunter etwas zu rechts waren. Und das hat wunderbar funktioniert. Ich glaube sehr fest, dass die Demokraten vor allem diskutieren werden, wer Trump schlagen kann und dafür im Zweifelsfall auch die ein oder andere inhaltliche oder biographische Kröte schlucken werden.

        Kalender
        Iowa ist immer noch die erste Vorwahl, dann kommt New Hampshire, danach Nevada (glaube ich), so weit alles wie immer. Aber danach haben die Demokraten die Reihenfolge geändert, Kalifornien liegt zeitlich sehr weit vorne. Das ist deshalb von Bedeutung, weil man natürlich ständig schauen wird, wie viele Stimmen die Kandidaten schon gesammelt haben. Wer im Zwischenstand vorne liegt, bekommt am meisten Aufmerksamkeit. Das dürfte in diesem Fall einen fetten Vorteil für Kamala Harris bedeuten, die aus Kalifornien (wie Stimmen) kommt und deshalb wohl früh mit einem großen Vorsprung rechnen kann und damit dann als Frontrunnerin gelten dürfte. Sowas kann dann schnell ein Selbstläufer werden. Allerdings ist diesmal auch Texas weit vorne, Vorteil O’Rourke und Castro.

        Wenn man das alles zusammenrechnet, dann bin ich zum einen mit meinem Einsatz auf O’Rourke immer noch ganz glücklich. O’Rourke hat definitiv den Nachteil, dass er in seiner politischen Vita de facto sehr sehr wenig vorzuweisen hat. Auch dass er Spenden aus der Ölindustrie angenommen hat, dürfte ihm negativ ausgelegt werden. Aber andererseits punktet er mit seinem Charisma, seinem integrativen Ansatz, seiner Strahlkraft in das weiße und zugleich in das Latino-Lager. Starker Kandidat. Es ist viel zu früh im Prozess, aber, er ist ein starker Kandidat.

        Auch Biden ist für mich sehr gut vorstellbar, trotz der oben erwähnten Minuspunkte. Biden wäre ein halbwegs sicherer Kandidat für die General Election, die play-it-safe-Variante. Wenn die Partei vor allem das will, dann hat Biden sehr gute Chancen, selbst wenn er nicht gerade Aufbruch verkörpert.

        Wenn man darauf wetten könnte, dann würde ich darauf setzen, dass Sanders es nicht wird. Sanders hat immer noch eine hochmotivierte Anhängerschaft und seine Fundraising-Zahlen sind beeindruckend. Aber er dürfte in der General kaum wählbar sein, nicht nur wegen seines Alters. Der letzte, der einen grundlegenden Umsturz wollte und dann Präsident wurde war George Washington und das ist fast 250 Jahre her, sorry Bernie. Wenn es wirklich so ist, dass Wählbarkeit das zentrale Kriterium wird, dann ist Bernie raus und auch Warren.

        Im Augenblick liegen in den Umfragen immer Sanders und Biden vorne. Aber darauf darf man gar nichts geben. Das liegt schlicht an der Bekanntheit, sobald der Prozess mal etwas ins Laufen gekommen ist und die Leute sich auch mit den anderen Kandidaten beschäftigt haben, mendelt sich das raus.

        Wie gesagt, es gibt eine Menge interessante Kandidaten, jede/r hat ein paar gute Pluspunkte und ein paar Minuspunkte. Aber für den Augenblick haben für mich O’Rourke und Biden die Nase vorn. Wetten würde ich zu den Quoten, die ich kenne, aber derzeit nichts.
        Wird wohl Harris werden. Immigration-Background, hochintelligent, Frau, sehr positive Austrahlung, wird everybody's darling, viele gebildete weiße Frauen und Minderheiten an sich werden sie massenhaft wählen, Obama 2.0.

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          #7
          Hi!

          In der letzten Zeit gibt es zwei bemerkenswerte Entwicklungen, von denen ich eine so prognostiziert, und eine so kein bisschen gesehen habe.

          Zum ersten: Biden hat tatsächlich seine Kandidatur erklärt, und ist in der Folge zum eindeutigen Frontrunner avanciert. Wie ich es mir gedacht habe, ist seine Quote bei den Bookies ordentlich gesunken, bei Bet 365 z.B. von 10-11 auf nur noch 5,5. Blöderweise ist der Betrag den Bet für den Rückkauf anbietet lächerlich niedrig, was schade ist, weil ich mit genau dieser Perspektive ein paar Mark auf Biden gesetzt hatte. Na ja, aber wer bei Betfair setzen kann, hätte vor zwei Wochen ein schönes Schnäppchen machen können.

          Zum zweiten: Beto O‘Rourke, den ich eigentlich als schwer schlagbaren Topfavoriten gesehen hatte, ist in den letzten Wochen ordentlich abgeschmiert. Zunächst einmal in den Umfragen, dann aber natürlich auch in den Quoten. Zu Bestzeiten hätte man nur 8 Euro bekommen (Präsident), jetzt sind es 26. Es gibt dafür keinen klaren Anlass, kein Skandal, kein Fettnäpfchen oder so. Sein Wahlkampf nimmt nur einfach keine Fahrt auf – und Buttigieg und Biden haben ihm derzeit einfach den Wind aus den Segeln genommen.

          Wie geht es jetzt weiter und worauf wird es ankommen?

          Zum einen sind wir jetzt in einer Phase, in der es immer regelmäßiger Umfragedaten gibt. Auf die darf man im Augenblick noch nicht allzuviel geben, weil sich sehr viele Leute noch nicht mit dem Kandidatenfeld beschäftigt haben und dann den angeben, den sie kennen – davon profitieren vor allem Biden und Sanders, die regelmäßig vorne liegen, u.a. weil sie die höchste name recognition haben. Trotzdem, je mehr Daten vorliegen, desto härter wird natürlich das Bild. Und demnach führt in den nationwide-Zahlen Biden (ca. 40%) zurzeit mit sehr deutlichem Abstand vor Sanders (ca. 20%), dann kommen mit noch mehr Abstand aber ungefähr noch zweistellig Harris, Warren, Buttigieg, dann im niedrigen einstelligen Bereich Beto, Booker, Klobuchar. Alle anderen kann man nach jetzigem Stand vergessen.

          Zweitens, Anfang Juni gibt es die ersten Debatten. Ich denke, dass dann so die heiße Phase langsam anfängt. Zumindest dürfte sich das Bild deutlich schärfen. Wer nach den Debatten nicht an Fahrt aufnimmt, kann sich wohl verabschieden, dann gibt es keine Spenden mehr, keine Aufmerksamkeit, keine Einladungen zu TV-Formaten usw. Andererseits sind die Debatten natürlich die perfekte Gelegenheit, sich zu präsentieren, bekannt zu werden, Punkte zu machen.
          Spenden, Townhals, regionale Veranstaltungen usw. werden jetzt ebenfalls zunehmen. Und man wird sehen, wer sich dabei wie schlägt. Ich denke, bis zum Herbst könnten einige Kandidaten tatsächlich schon die Segel gestrichen haben und es wird sich im Wesentlichen herauskristallisiert haben, wer denn nun wirklich in der Verlosung ist und wer nicht.

          Grundsätzlich glaube ich, dass es einige Indikatoren gibt, die darauf hindeuten, dass die Demokraten so eine Art Sicherheitsvariante bevorzugen, und einen Kandidaten wählen werden, der ziemlich sicher die Rust-Belt-Staaten zurückholt. Und das spricht für einen weißen, männlichen, moderaten Mainstream-Kandidaten. Und das ist Biden nunmal, der Kandidat, der die meisten Kriterien erfüllt, bei allen Schwächen, die er sonst hat. Ich glaube, Buttigiegs Aufstieg hat auch maßgeblich damit zu tun, dass er gerade in dieser Region stark ist, weil er aus Indiana kommt. Auch Sanders traut man offenbar zu, bei den alten Industriearbeitern in Pennsylvania usw. zu punkten. Na ja, und wenn man sich dann weiter umschaut, dann dürfte eben nach wie vor Beto ein guter Kandidat sein. Wer hier eher schlechte Karten hat sind Warren, Harris und Booker (Geschlecht, Hautfarbe, zu weit links).

          Ich geh mal die einzelnen Kandidaten durch, die Prozentangaben sind natürlich Käse, aber so eine grobe Orientierung.

          Biden, 45-50%
          Er ist der natürliche Frontrunner, der vielleicht unvermeidliche Kandidat, auf den alles zuläuft. Alter, weißer Mann, der mit den Industriearbeitern aus dem Rust-Belt perfekt zurechtkommt und als Obamas Vize auch bei den Schwarzen sehr hoch angesehen ist. Trotzdem, auf absehbare Zeit sehe ich nicht, warum seine Quote von gegenwärtige 5,5 (gewinnt die Präsidentschaft) weiter sinken sollte, da ergibt sich zumindest keine Trading-Chance. Wenn er die Kandidatur tatsächlich einsackt, dann liegt seine Quote bei 1,7 oder so. Aber bis dahin ist es noch etwa ein Jahr. Und es besteht durchaus die Chance, dass die Demokraten noch ein zweites mal darüber nachdenken, ob sie wirklich einen Typen von 77 Jahren als Hoffnungsträger sehen wollen. Außerdem wird man sich auch alle seine Schwächen nochmal anschauen (Frauenbild, Anita Hill, Spenden usw.). Vorteil Biden: der ist so lange dabei, zu dem ist alles bekannt, seine Schwächen sind längst ausgeleuchtet und eingepreist.

          Sanders, 10-15%
          Wäre Sanders 15 Jahre jünger, würde ich ihn höher ranken, aber der geht halt hart auf die 80 zu und das dürfte durchaus ein Faktor sein. Der wichtigere Faktor ist aber wohl die Wählbarkeit. Und ich denke, dass es eine Menge Demokraten gibt, die Sanders zwar schätzen, aber mal die Rechnung aufmachen, ob er denn eine Chance gegen Trump hat – und dann eben doch auf einen wählbareren Kandidaten schwenken. Sanders hat unbegrenzte name recognition, er kann sehr überzeugend sein, er hat tatsächlich den etwas schrägen Charme des leicht verrückten, aber leidenschaftlichen Opas, er hat eine sehr sehr eingeschworene, junge Fan-Gemeinde und er hat Geld bis zum Anschlag. Spricht alles für ihn. Aber am Ende wählen die Amis niemanden, der sich selbst Sozialist nennt (selbst wenn das aus unserer Sicht nichts mit Sozialismus zu tun hat). Und zwei Aspekte, die 2015/6 sein Vorteil waren, ziehen nicht mehr: Er ist nicht mehr der einzige Alternativkandidat zu Clinton und es gibt außer ihm noch andere halbwegs linke Kandidaten, das Alleinstellungsmerkmal fällt also weg. Außerdem hat er ein massives Problem bei Latinos und bei Schwarzen, zwei sehr wichtigen demographischen Gruppen. Er hat eine Chance, aber ich glaube nicht, dass er es macht.

          Harris, 20-25%
          Dunkelhäutig, halbwegs gut aussehend, charmant und charismatisch, blitzgescheit, Harris bringt eine Menge mit. Aber ich glaube eben nicht, dass die Demokraten auf einen Minority-candidate setzen werden. Es gibt eine ganze Menge von Umfragen, die sagen, dass sie gegen Trump ein bisschen schlechter abschneidet als Biden, Sanders oder sogar Beto. Außerdem hat sie eben einen klaren Nachteil in weiß dominierten Staaten wie Iowa. Und das dürften am Ende eben wichtige Überlegungen sein. Sie ist die perfekte Vize-Kandidatin und die Chance, dass sie auf diesem Weg auf dem Ticket landet ist recht hoch. Aber als Nummer eins sehe ich sie eher nicht. Dass ich sie trotzdem relativ hoch ranke liegt daran, dass sie bei den Umfragen eben doch immer noch gut abschneidet und dass sie eine Menge Spenden gesammelt hat. Mein wichtigstes Argument, ihr gute Chancen einzuräumen liegt im Kalender. Ihr Bundesstaat Kalifornien ist diesesmal sehr früh dran. Wenn sie da gut abschneidet, hat sie auf einen Schlag mit weitem Abstand die Führung in der Delegiertenzahl und die Berichterstattung wird sich für eine Weile hauptsächlich darum drehen, ob sie die unvermeidliche Kandidatin ist usw. Dann gewinnt das Ganze womöglich eine eigene Dynamik. Kann so kommen, ist aber noch ein weiter Weg bis dahin.

          Warren, 3%
          Natürlich hohe name recognition, ein Schwergewicht in der Partei, hat mit ihren sehr linken Positionen natürlich viel Unterstützung innerhalb der Partei. Aber ich glaube nicht, dass man nochmal eine Frau nominieren wird, und dann bestimmt keine Progressive aus Massachusetts.

          Buttigieg, 1%
          Der Typ ist ein Phänomen. Kommt aus dem Nichts, verkauft sich gut, wird jetzt als so eine Art Wunderkind rumgereicht und ist zwischendurch bei den Polls um die 13% gemessen worden, inzwischen wieder deutlich weniger. Er hat durchaus etwas Überzeugendes. Aber rein analytisch betrachtet hat er seine Stärken ausschließlich bei der jungen, weißen Stadtbevölkerung, die es für eine prima Idee hält, einen 37 jährigen verheirateten Schwulen zum Präsidenten zu wählen. Bei allen anderen kommt diese Idee aber so gar nicht gut an, und das bildet sich so langsam auch in den Zahlen ab. Ich vermute, dass er nach den ersten Debatten nochmal einen kleinen Peak haben wird, weil er eben tatsächlich ein Talent ist. Aber irgendwann wird es den meisten dann doch dämmern, dass Mayor Pete nicht der Typ ist, der Trump schlägt.

          Beto O’Rourke, 13-18%
          Tja, da schleppt er sich so hin, mein ursprünglicher Favorit. Er bringt wirklich eine Menge mit, hat aber auch ein paar Nachteile. Der größte Nachteil: seine Substanzlosigkeit, letztendlich gibt es keinen echten Grund, keine übergreifende Erzählung, warum Beto Präsident werden sollte. Er hat auch nie in irgendeinem Regierungsamt, als Senator, Kongressabgeordneter oder sonstwo wirklich vorzeigbare Erfolge vorzuweisen. Vielleicht ist er also einfach noch nicht ready for prime time und langsam fällt’s auf. Kann sein. Andererseits hat er eben nach wir vor diesen Kennedy-Touch, ist überzeugend, strahlt weit ins konservative Lager hinein (48% in Texas geholt!), müsste im Rust-Belt beste Chancen haben, spricht fließend spanisch und kann bei den Latinos punkten. Sagen wir mal so, ich denke bei den Debatten wird sich jetzt zeigen, ob er doch mit den Großen mitpinkeln kann und erneut Fahrt aufnimmt, oder eben nicht. Im ersten Fall sind die 26, die man bei Bet zurzeit bekommt ein Geschenk, und sei es als Trading-Chance. Es kann aber auch sein, dass sich schnell herausstellt, war doch nichts. Ich selbst habe noch einmal etwas nachgelegt, würde das hier so aber nicht empfehlen. Ist für mich ein bisschen so, wie die deutsche Mannschaft bei einem großen Turnier, die Schwierigkeiten in der Vorrunde hat. Normalerweise kann man sich drauf verlassen, für’s Halbfinale langt’s trotzdem locker. Aber in Russland war dann eben doch schnell Schluss …

          Booker, 3%
          Siehe oben, ich glaube nicht, dass das blaue Team einen farbigen Kandidaten wählt diesmal, selbst wenn er so charismatisch und begabt ist wie Booker. Ist außerdem Veganer, damit können die erst recht nichts anfangen.
          Auch im restlichen Feld finden sich noch ein paar echt Perlen (Yang, Klobuchar, Castro), aber da schaut es nicht so aus, als hätten die ernsthafte Chancen. Bei inzwischen 23 Kandidaten ist es ja auch schwer sich zu profilieren.

          Wie gesagt, Anfang Juni die ersten Debatten, dann schauen wir mal, wie sich da die Konturen entwickeln. Letztendlich ist das jetzt ein Spiel, in dem es darauf ankommt, möglich schnell das Feld zu bereinigen. Wer am längsten durchhalten kann, wird auch stärker als ernsthafter Kandidat wahrgenommen.

          Grundsätzlich gilt nach wie vor der Spruch, dass eine Woche in der Politik eine Ewigkeit ist. Ein Skandal, eine unbedachte Äußerung, ein blödes Photo, und alles schaut auf einmal ganz anders aus.

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            #8
            Nach langer Zeit mal ein Update, weil sich in der Zwischenzeit ja ein paar Dinge getan haben und gerade im Augenblick eine Menge Bewegung drin ist.

            Wenn ich mir die Entwicklung anschaue, muss ich eingestehen, dass ich drei Dinge deutlich falsch eingeschätzt habe.

            Erstens, das ist sicher die gravierendste Fehleinschätzung, ich habe Beto O’Rourke ordentlich überschätzt. Ich hatte den ja hier quasi schon als designierten Kandidaten gesehen, wenn er nur antritt – und habe damit wohl gründlich daneben gelegen. Ich finde immer noch, dass er als Kandidat jede Menge Potential mitbringt und sein Kennedy-Look bleibt immer noch bestechend. Aber es zeigt sich, dass er für die nationale Bühne anscheinend noch nicht reif genug ist, zumindest als Präsidentschaftskandidat (vielleicht als VP). Er hat schwer in diesen Wahlkampf hineingefunden, es fehlt ein übergreifendes Thema, eine übergreifende Erzählung, zumindest die ersten beiden Debatten waren sehr schwach. Im Augenblick bekommt man bei Bet 126! Beto läuft im Augenblick also sehr unter ferner liefen. Es gibt ein Szenario für ein Comeback (s.u.), aber hier schaut der Einsatz einstweilen verloren aus.

            Zweitens habe ich wohl auch Biden etwas überschätzt. Biden ist der ideale Kandidat des Zentrums, der halbwegs sicher den mittleren Westen gewinnt. Sein Hauptargument ist die übergreifende Wählbarkeit – und genau das ist für das blaue Team das wichtigste Motiv. Deshalb ist Biden auch mit gut 40 % in den Polls gestartet und war für lange Zeit der unangefochtene Frontrunner. Unabhängig von den Anwürfen Trumps gegen Biden Senior und Biden Junior, hat der Lack bei Biden aber auch schon zuvor angefangen zu bröckeln. Aus meiner Sicht hat er sich in den ersten drei Debatten nicht sehr stark geschlagen. Ich finde, es wird zunehmend deutlich, dass Biden nicht mehr wirklich auf der Höhe ist, er wirkt häufig fahrig und überfordert und ein bisschen aus der Zeit gefallen. Das ist nicht weiter schlimm für einen älteren Herren weit in seinen Siebzigern. Aber für jemanden, der US-Präsident werden möchte, schaut es schon merkwürdig aus. Strategisch muss man sich als demokratischer Wähler ja auch vor Augen halten, dass Biden trotzdem wohl 2020 gegen Trump gewinnen würde, dann aber 2024 gegen einen jungen, dynamischen Republikaner wohl kaum noch eine Chance hätte. Seine Umfragewerte sind auch vor den aktuellen Ereignissen schon peu a peu nach unten gegangen. Und im Augenblick sehe ich keinen echten Grund, warum sie wieder steigen sollten.

            Drittens: ich habe Warren ziemlich unterschätzt. Warren ist die große positive Überraschung des Wahlkamps bisher (mal von Buttigieg abgesehen). Es war klar, dass es eine Auseinandersetzung zwischen dem moderaten und dem progressiven Flügel der Partei geben würde. Und ich fand es immer schon offensichtlich, dass Sanders am Ende nicht der stärkste Kandidat des linken Flügels sein würde. Aber offen gestanden hatte ich nicht Warren auf der Rechnung. Aber sie macht das sehr clever. Sie hat sich ganz langsam und beharrlich das Image einer soliden, progressiven, machbarkeitsorientierten Kandidatin erarbeitet. Bet gibt im Augenblick noch 3,25, auf anderen Plattformen sieht es ähnlich aus, ab und zu gibt es noch 3,5. Und das scheint mir fair bewertet für den Augenblick.

            Worauf kommt es jetzt an, was sollte man beobachten?

            Natürlich ist jetzt wichtig zu sehen, wie der Ukraine-Skandal sich entwickelt (tatsächlich sind es zwei, einer für Trump, einer für Biden), wie das Impeachment läuft und welche Konsequenzen das für Biden hat. Auf der einen Seite kann er sich als Opfer darstellen und argumentieren, dass er offenbar der Kandidat ist, vor dem Trump am meisten Angst hat, das wäre ein klares Pro-Argument. Andererseits schaut es schon merkwürdig aus, wenn sein Sohn ohne echte Qualifikation hochdotierte Jobs in Ländern bekommt, in denen die USA einen Regime-Change gefördert haben. Da bleibt vermutlich doch auch an Biden etwas kleben.

            Zweitens, ich finde es offensichtlich, dass Warren in den nächsten Wochen die Frontrunnerin in den Umfragen werden wird. Warren wird in den nächsten Wochen vor allem die Leute einsammeln, denen es zu denken gibt, dass Sanders vor einigen Tagen einen Herzinfarkt hatte. Zusammen lagen die beiden bei Befragungen nationwide bei etwa 40%, mal hatte Sanders, mal Warren die Nase vorn zwischen den beiden. Warren ist für jeden Sanders-Anhänger eine absolut wählbare Alternative. Sanders hatte immer schon das Altersproblem. Und nun wird es wohl eine Menge Leute geben, die sich fragen, ob es wirklich so clever ist, einen 78-Jährigen mit Herzproblemen gegen Trump ins Rennen zu schicken. Da zeichnet sich schon jetzt in den Zahlen klar der Drift zugunsten von Warren ab, die zudem noch ein paar Biden-Anhänger abgreifen dürfte. Im Augenblick läuft aus meiner Sicht alles auf Warren zu. Ich habe persönlich eine Menge Einheiten auf sie gesetzt jetzt, mag das hier aber nicht als Wette empfehlen.

            Für mich ist die große Frage, ob das Rennen damit jetzt schon entschieden ist (ist es ohnehin nicht, weil immer so viel passieren kann), oder ob jetzt noch einmal ein Kandidat der Moderaten in die Lücken stoßen kann. Es dürfte immer noch eine große Fraktion geben, die eigentlich einen moderaten weißen Mann bevorzugen würden, der im mittleren Westen abräumen kann. Das wäre jetzt noch einmal die Chance vor allem für Buttigieg oder O’Rourke – oder auch für Klobuchar, auch wenn sie eine Frau ist. Ich sehe das zurzeit nicht, weil Biden ja nicht mit einem großen Puff implodiert, das ist ja eher ein langsamer Prozess. Aber es ist immerhin möglich, dass einer von denen noch einmal zu einem Anstieg ansetzt. Bisschen Klimpergeld auf Beto zu 126 mit der Hoffnung, dass er nochmal zweitstellig wird?

            Unabhängig von den aktuellen Entwicklungen ist da sicher die nächste Debatte morgen am 15. noch einmal ein wichtiges Ereignis. Da werden wir sehen, wie die einzelnen Kandidaten auf die Ereignisse reagieren, ob sich jemand völlig ins Aus schießt oder ob jemand noch einmal richtig punkten kann. Würde mich nicht wundern, wenn der Tarif für Warren danach unter 3 rutschen würde. Aber wie gesagt, empfehlen mag ich da gerade nichts.





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              #9
              Hi,

              seit dem letzten Eintrag sind – mal abgesehen vom Impeachment-Verfahren – ein paar Dinge passiert, die meiner Meinung nach bedeutsam sind.

              1) Beto O‘Rourke hat seine Kandidatur zurückgezogen – und damit sind auch die gesetzten Einheiten futsch. Sorry, falls da jemand mitgegangen ist. O’Rourke ist als DER demokratische Hoffnungsträger gestartet, hat diese Hoffnung aber nie bestätigen können. Ausgestattet mit jeder Menge Talent hat er nie ein übergreifendes Thema für seine Kandidatur gefunden und sich letzlich in einigen Aspekten schlicht als Luftpumpe erwiesen.

              2) Sanders hat sich erstaunlich flott erstaunlich gut von seinem Herzinfarkt erholt. Das ist insofern von Bedeutung als man eigentlich davon ausgehen konnte, dass es da eine Wählerbewegung weg von Sanders hin zu Warren geben würde, der für progressiv orientierte Wähler besten Alternative. Das war zunächst auch so, aber da Sanders im Augenblick ziemlich munter wirkt war das nicht von Dauer.

              3) Heute ist die Nachricht offiziell geworden: Michael Bloomberg, ehemaliger Bürgermeister von New York, auch schon gegen Ende 70, einer der reichsten Männer der Welt und erbitterter Gegner von Trump hat seine Kandidatur erklärt.

              4) Das ist eher ein schleichender Prozess, aber es wird aus meiner Sicht immer deutlicher, dass Biden nicht mehr ganz auf der Höhe ist. Meistens wirkt er wie der alte Onkel Joe, in der Regel sagt er in den Debatten auch nachvollziehbare, sogar schlaue Sachen, aber ab und zu wird er fahrig, seine Antworten landen im nirgendwo, zuweilen leistet er sich grobe Schnitzer.

              Aus meiner Sicht lässt sich der gegenwärtige Stand so ungefähr so zusammenfassen:

              Biden führt immer noch die Umfragen an, aber längst nicht mehr so dominant wie zu Beginn seiner Kandidatur, er liegt jetzt (nationwide) bei ca. 30%.

              Sanders und Warren, also die beiden linksprogressiven Kandidaten, kommen zusammen auf knapp 40 %, wobei Warren im Schnitt ein oder zwei Pünktchen vor Sanders liegt.

              Buttigieg hat sich inzwischen eine starke Position erarbeitet, so dass man ihn sicher als vierten ernstzunehmenden Kandidaten nennen muss. Als moderater, eloquenter Weißer aus Indiana gewinnt er in dem Ausmaß, in dem Biden verliert.

              Alle anderen dürften mit dem Ausgang nichts zu tun haben. Auch wenn z.B. Harris, Klobuchar, Booker, Bennet und vielleicht sogar Yang durchaus Pluspunkte aufweisen, sie haben nie wirkliche Dynamik entwickeln können. Wer in dieser Phase des Rennens immer noch im 2-5%-Bereich liegt, wird wohl eher nicht Kandidat.

              Der große Gorilla Bloomberg, um den es in den letzten Wochen immer Gerüchte gab, ist jetzt aus der Deckung gekommen und wird diesem Rennen vermutlich eine ganz neue Dynamik geben.


              Ich glaube, diese vier Szenarien haben jetzt eine gewisse Plausibilität.

              1) Bloomberg setzt sich durch.
              Bloomberg hat heute offiziell erklärt, was sich seit ca. drei Wochen angedeutet hat. Jetzt ist die Frage, was genau seine Strategie ist wie gut seine Chancen auf die Kandidatur sind. Es gibt bei einem großen Teil der Demokraten die Sehnsucht nach dem weißen moderaten Kandidaten, der den mittleren Westen zurückgewinnt und sicher Trump schlägt. Es wird immer zweifelhafter, ob Biden diese Person ist, Bloomberg würde das liefern (insofern ist Bloombergs Kandidatur eine unmittelbare Reaktion auf Bidens schwache Performance; Bloomberg hatte im Frühjahr mit Blick auf Biden erklärt, nicht kandidieren zu wollen). Andererseits wärmt Bloomberg nicht gerade das Herz der Partei, jedenfalls nicht des linken Flügels, in vielen Punkten hat er sehr konservative Positionen, war früher auch mal Republikaner, er wäre also im Vorwahlkampf sehr angreifbar. Dass er sehr spät in den Wahlkampf einsteigt ist zudem ein Nachteil. Wie gut man das durch Geld kompensieren kann ist ein bisschen fraglich. Falls er die Strategie hat die ersten vier Staaten zu skippen, und erst zum Super Tuesday richtig einzusteigen, das hat bisher noch nie funktioniert. Andererseits: Der Mann hat 50 Milliarden auf dem Konto (zum Vergleich: Trump, der u.a. deshalb gewählt wurde, weil er angeblich so toller Geschäftsmann sei, gibt selbst etwa 3 Milliarden an), da kann man ein paar Werbekampagnen kurzfristig finanzieren. Wie gut seine Chancen wirklich sind, ist derzeit nicht abzuschätzen. Das kann sich als eine kurze Anekdore am Rande herausstellen, es aber durchaus denkbar, dass es ihn ins Weiße Haus führt.

              Dass er in der Hauptwahl gegen Trump gewinnen würde, halte ich für sicher. Nicht unbedingt, weil er großen Enthusiasmus bei den progressiven Demokraten auslösen würde, die würden ihn wohl trotzdem wählen, um Trump zu verhindern und sich in der Wahlkabine halt die Nase zuhalten. Aber Bloomberg ist der Kandidat, der für die Unabhängigen wählbar ist und weit ins republikanische Lager hineinstrahlen würde – auch da gibt es ja ein paar Aufrichtige, die nicht Teil der Trump-Sekte geworden sind. Das wäre auf jeden Fall ein sehr interessanter Wahlkampf.


              2) Warren setzt sich gegen Sanders durch
              Im Augenblick gibt es zwischen Warren und Sanders so eine Art Nichtangriffspakt, was dazu führt, dass die sich auch gegenseitig etwas neutralisieren. Sanders hat eine sehr loyale, enthusiastische Basis, aber Warren macht ebenfalls einen sehr cleveren, starken Wahlkampf und hat sich im Laufe der Zeit eine sehr starke Position erarbeitet. Anders als ich noch vor ein paar Wochen erwartet hatte, ist sie zwar nicht die unangefochtene Frontrunnerin geworden. Aber wenn sich der progressive Flügel auf einen Kandidaten einigen sollte, hätte sie aufgrund ihres Altersvorteils und der höheren Wählbarkeit wohl die Nase vorn. Bei Bet bekommt man derzeit eine Quote von 8 (Präsidentschaft, nicht Kandidatur), was meines Erachtens Value hat. Ich habe privat eine Menge Einheiten für sehr viel niedrigere Quoten gesetzt und ärgere mich jetzt drüber, dass ich nicht noch ein paar Wochen gewartet habe. Von allen Szenarien kommt mir dieses immer noch als das wahrscheinlichste vor.

              Ob Sie in der General Election gegen Trump gewinnen würde? Gute Chancen hätte sie auf jeden Fall, käme aber tatsächlich auch auf den VP-Kandidaten an, den sie auswählen würde und auf die Strategie generell (plus: auf die Russen, Chinesen, intakte Maschinen zum Auszählen der Stimmen, Voter Surpression usw.)

              3) Biden als Profiteur der Uneinigkeit der Linken
              Sollte das linke Lager bei den Demokraten auch dauerhaft zwischen Sanders und Warren gespalten bleiben und Bloombergs Kandidatur nicht zünden, dann kann es durchaus sein, dass Biden eben der lachende Vierte ist und sich durchsetzt. Anders ausgedrückt, wenn sich das progressive Lage nicht auf einen Kandidaten einigt, entweder Sanders oder Warren, dann bleiben beide bei 20% und Bidens 30% reichen aus. Kann passieren, halte ich nicht mehr für sehr wahrscheinlich, aber dennoch durchaus denkbar. Was müsste passieren, damit sich die Progressiven auf einen einigen? Es gibt kein klares Szenario, es könnte ein erneutes Gesundheitsproblem sein, das Wähler schwenken lässt, es könnte die Resonanz auf Obamas Äußerung sein, die Amerikaner wollten eine Verbesserung, keine grundsätzliche Umwälzung des Systems (klar gegen Sanders gerichtet), es könnte die Einsicht sein, dass Warren die höhere Wählbarkeit hat. Am Ende könnte es auch einfach darauf ankommen, wer in den ersten vier Staaten am besten abschneidet, wenn hier Warren Sanders jeweils deutlich abhängen würde, würde er wohl aufgeben und Warren würde als klare Favoritin in den Super-Tuesday gehen.

              Wenn Biden der Kandidat wird, gewinnt er aus heutiger Sicht auch ziemlich sicher gegen Trump – wäre dann aber mit über 80 ein äußerst schwacher Kandidat für 2024.

              Buttigieg als lachender Fünfter
              Dass Kandidaten wie Sanders, Warren, Yang, Harris oder Booker als Kandidaten angetreten sind, die eine spezifisch „linke“ Agenda vertreten bzw. eine spezifische Wählerklientel ansprechen, war immer klar. Es geht eben am Ende immer um die Grundfrage, ob man versuchen sollte, mit einem möglichst konventionellen Kandidaten die verlorenen Kernstaaten (Michigan, Pennsylvania, Wisconsin) zurückzugewinnen, oder ob man die Obama-Koalition wiederbelebt und versucht in Staaten wie North Carolina, Georgia, Ariziona, evtl. sogar Texas anzugreifen. Biden wäre der ideale Kompromisskandidat, weil er beide Pfade glaubwürdig vertreten kann, einerseits der klassische weiße Working-Class-Typ, moderat, vernünftig, steht für das alte Amerika, andererseits als Obamas Vize mit massiver Unterstützung der afroamerikanischen Wähler. Je stärker sich aber abzeichnet, dass bei Biden im Oberstübchen nicht mehr alles so richtig flott läuft, desto stärker machen sich die Wähler auf die Suche nach einem Kandidaten für Strategiepfad 1. Ich dachte zuerst, das könnte Sherrod Brown oder eben O’Rourke sein. Nun scheint es, als hätte sich Buttigieg diesen Slot gesichert (Bloomberg stößt jetzt allerdings genau in dieses Feld). Kommt aus Indiana, also aus dem mittleren Westen, gutaussehend, sehr jung, eloquent, blitzgescheit, vorzeigbare Karriere in der Wirtschaft, freiwillig in der Armee gedient, gläubiger Christ – klingt wie der Traumkandidat des mittleren Westens. Inzwischen führt er in einigen Umfragen sowohl in Iowa als auch in New Hampshire, also den ersten beiden Staaten. Die sind nur deshalb bedeutend, weil sie die ersten sind und dann eine wirksame Dynamik in Gang bringen können. Aber wenn er diese Welle erwischt, könnte er endgültig die Biden-Position einnehmen und einen plausiblen Pfad zur Kandidatur haben.

              Er hat allerdings zwei entscheidende Schwächen. Zum einen hat er als Vertreter einer städtischen, weißen Millenial-Schicht bis jetzt nur wenig Schnitte bei den Minderheiten. Das heißt, in Bundesstaaten, mit starker afroamerikanischer oder Latino-Bevölkerung schneidet er relativ schlecht ab. Noch größerer Nachteil: mit einem Typen verheiratet – und das heftet ein Riesen-Fragezeichen an seine Wählbarkeit. Von seinen Gegenkandidaten bei den Demokraten wird das natürlich nicht thematisiert, aber natürlich weiß jeder, dass es in der Generel Election in weiten Teilen um die Frage gehen würde, ob Amerika bereit ist für einen schwulen Präsidenten. Weil er seine Schwäche bei den Minderheiten wohl durch einen VP-Kandidaten wie Harris, Booker, Abrams oder Castro ausgleichen müsste, wäre das das perfekte Rezept um die republikanische Basis aber mal so richtig zu mobilisieren. Zugleich würden in diesem Szenario auch die progressiven Demokraten mobilisiert bis zum Anschlag, das würde einen Kulturkampf vom feinsten geben. Fraglich ob man das ausprobieren will, wenn der Gegenkandidat Trump heißt und man diesem Mann auf diesem Weg eine zweite Amtszeit beschweren mag. Nichtsdestotrotz, Buttigieg hat einen plausiblen Pfad, wird inzwischen nur noch mit Quoten um 9-10 gehandelt.

              Zusammengefasst: ich halte im Augenblick Warren, Bloomberg und Buttigieg für die plausibelsten Kandidaten – in dieser Reihenfolge. Quote für Warren liegt bei ca. 8, hat meines Erachtens den größten Value, Buttigieg bei 9-10, gut denkbar, aber Value ist das nicht, Bloomberg seit heute zwischen 15 und 20, je nach Anbieter, mit ein bisschen Hartgeld zum Mitfiebern und Absichern bestimmt was wert.

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                #10
                Ich hab mich erst vor 2 Wochen mit 4 doch sehr politisch interessierten Amis zusammengesetzt, einer davon aus Oklahoma (soll andeuten das ich nicht nur die Küstenregionenmeinungen kennengelernt habe): sehr interessant was der sagt, meinte das Bloomberg eben ein reicher Jude ist, was ihm nicht unbedingt bei einigen Religionsgemeinschaften Stimmen bringen wird, andererseits die radikalen wählen sowieso eher Trump. Alle bestätigten das es Bloomberg aber eher um die Sache gehen werde, er steht für ein kapitalistisches Amerika mit Gewissen, was ihm sympathisch für viele machen wird. Die Law and Order Aktion als Bürgermeister hat ihn zwar bei den Minderheiten nicht beliebt gemacht, es zeigt aber das er grundsätzlich bereit ist für Ordnung zu sorgen, was vielen in den USA wichtig ist.

                Rein von der Kohle her, würde Bloomberg alle ausstechen, für mich kommt es darauf an wie weit er kommt, im direkten Kampf gegen Trump sehe ich ihn vorne, dafür hat er selbst genug Cash + glaube ich genügend Leute die für ihn rennen würden. Ich nehme die hohe Quote auf ihn, diese wird in den nächsten Wochen noch ordentlich droppen. Wichtig wäre das er sich die Hillary schnappt und sie irgendwo einbaut und noch einen repräsentativen Vize (am besten eine schwarze Frau). Sollten die beiden (Trump und Bloomberg) ins Finale kommen wird das ne ordentliche Schlammschlacht, den der Hass von Bloomberg ist riesig und wird weiter wachsen und Trump ist eben Trump.

                Für Weltfrieden:
                https://www.youtube.com/watch?v=ca-oHTyrz9I

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                • Groucho
                  Groucho kommentierte
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                  In Sachen Charisma und Schlagfertigkeit sehe ich Trump klar vorne. Praktisch der ganze Süden ist unwinnable für den Juden, wie soll der eine Bewegung wie z.B. Obama, Hillary oder eben Trump entfachen??? Der Typ ist ein Loser, mark my words.
                  Zuletzt geändert von Groucho; 25.11.2019, 22:29.

                • TOMK2010
                  TOMK2010 kommentierte
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                  wie meinen?

                • TOMK2010
                  TOMK2010 kommentierte
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                  mag sein, wobei das mit den Juden anscheinend nicht so schlimm ist wie (anscheinend) mit nem Katholiken. Hillary Bewegung? die Frau war doch verhasst ...glaube auch das die Demos zu schwach sind, auch wenn es wir Europäer nicht wahr haben wollen.

                #11
                So ich spiel jetzt mal Bloomberg @17 bei betfair mit 2 EH glaube ich kann da raustraden falls sich mein Gefühl ändert.
                Für Weltfrieden:
                https://www.youtube.com/watch?v=ca-oHTyrz9I

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                • TOMK2010
                  TOMK2010 kommentierte
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                  wo gibts ne 13 auf demokratischer Herausforderer?

                • Halvar
                  Halvar kommentierte
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                  Dachte bist bei betfair aktiv....hmmmm

                • TOMK2010
                  TOMK2010 kommentierte
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                  Opa Halvar wieder smarter als man selber...

                #12
                Also wenn es irgendwo 13 auf Bloomberg als Herausforderer gibt, dann lohnt sich das vermutlich schon. Habe bei Bwin eine 11 gefunden und habe gerade ein paar Einheiten gesetzt. Das würde ich tatsächlich auch empfehlen, vielleicht mit 4-5 Einheiten, zumindest wenn man die Möglichkeit hat, bei fallenden Quoten rauszutraden.

                Blöderweise werden auf der deutschen Betfair-Seite keine Polit-Wetten angeboten und die internationale Seite finde ich irgendwie nicht. Aber wer da was setzen kann, für den ist das sicher eine Option. Nach gegenwärtigen Stand würde ich tatsächlich daran festhalten, dass es zwischen Warren, Buttigieg und Bloomberg entschieden wird.

                Von dem was TOMK2010 schreibt, finde ich das meiste nachvollziehbar. Bloomberg wäre für viele Demokraten die Wahl der Vernunft. Niemand der den progressiven Flügel repräsentiert, aber jemand der für viel irgendwie akzeptabel ist und relativ sicher gegen Trump gewinnt – letztlich die gleichen Argumente, die auch für Biden sprechen, nur ohne Bidens Faible für Fettnäpfchen.

                Was mich im Augenblick sehr geneigt macht Bloomberg gute Chancen einzuräumen sind vor allem die ersten Zahlen. Er ist erst seit ein paar Tagen im Rennen, deshalb gibt es bis jetzt nicht sehr viele Umfragen. Die wenigen Umfragen, die seit Verkündung seiner Kandidatur veröffentlicht wurden, zeigen ihn aber schon im mittleren einstelligen Bereich. Und das nach wenigen Tagen und einer gerade erst gelaunchten Kampagne. Kann auch ein Rohrkrepierer werden, aber das deutet an, dass da deutliches Potential nach oben ist.

                Es gibt aber auch zwei Dinge, die man skeptisch betrachten muss. Erstens, er wird nicht an den noch ausstehenden Debatten teilnehmen. Die Partei hat zwei Bedingungen gestellt, um sich für die Teilnahem an den Debatten zu qualifizieren (Anforderungen wurden von Runde zu Runde gesteigert), erstens bestimmte Umfragewerte, zweitens ein bestimmtes Volumen von einer bestimmten Zahl von Einzelspendern. Die Umfrage-Bedingung würde er wohl knacken, aber die Spenden nicht. Bloomberg nimmt aus Prinzip keine Spenden an, was auch ziemlich albern wäre für den achtreichsten Mann der Welt. Ob man das jetzt positiv oder negativ wertet ist nochmal eine andere Frage, aber ich nehme an, es wäre kein Fehler, wenn die Wähler ihn auch einmal im Debattiermodus erleben würden. Skeptisch muss man auch sein, was seine Strategie zu sein scheint. Es schaut so aus, als wollte er die ersten vier Staaten skippen und erst zum Super-Tuesday einsteigen, wo u.a. in Kalifornien und Texas gewählt wird und insgesamt ein richtig großer Brocken der Delegierten vergeben wird. Man wird sehen, ob das funktioniert. Den gleichen Ansatz hat 2008 Giuliani ausprobiert und ist glorios gescheitert. Wenn man in den ersten vier Wochen in den Wahlen nicht stattfindet, hat das Rennen mitunter schon eine Dynamik gewonnen, die nicht mehr zu stoppen ist. Andererseits hat Bloomberg so viel Kohle, dass er gleichzeitig in allen anderen Staaten die Spannung wird halten können. Mal schauen. Inwieweit es tatsächlich eine Rolle spielt, dass er Jude ist, kann ich nicht absehen, aber Amis haben mit ihrem Religions-Klimbim halt schon einen Sockenschuss. Andererseits ist im Feld mit ausnahme von Buttigieg niemand dabei, der seinen Glauben stark in den Vordergrund stellt.

                Was Warren angeht, ich sehe sie immer noch im Vorteil gegenüber Sanders. Aber man kann in den Zahlen jetzt ablesen, dass sie vielleicht ein bisschen zu früh ganz nach vorne geprescht ist. Wer Frontrunner ist, wird halt genau geprüft. Und da fällt Warrens größte Schwäche ins Gewicht, nämlich ihr Plan für eine allgemeine Krankenversicherungspflicht, den viele per se nicht mögen und den viele mit der Notwendigkeit zu Steuererhöhungen verbinden. Trotzdem, die gegenwärtigen Quoten (bei Bet) sehe ich immer noch als gut.

                Buttigieg: ich habe ja im letzten Post seinen plausiblen Pfad zur Nominierung skizziert. Was allerdings gegen ihn spricht (und damit indirekt Bloombergs Chancen erhöht), ist der Kalender. Angenommen er schafft es tatsächlich in Iowa und New Hampshire zu gewinnen, das sind die beiden ersten Staaten, dann würde man erwarten, dass er auf der Überholspur gelandet ist und bis zur Nominierung durchfahren kann. Tatsächlich kommen dann mit South Carolina und Nevada zwei staaten, mit sehr stark afroamerikanischer bzw. Latino-Prägung. Und in beiden Gruppen macht er keine Schnitte, da hat er Zustimmungsraten um 1%. Das heißt, er könnte als Shootingstar starten und wäre dann ganz schnell abgekocht, sieht jedenfalls nicht stark aus, um in den Super Tuesday zu gehen.

                Und weil ich es geschrieben habe, wird es wahrscheinlich doch Biden vor Sanders und Harris, oder so …

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