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US-Wahl 2020

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    US-Wahl 2020

    Vielleicht erscheint es ein bisschen früh direkt nach den Midterms schon den Thread zu den Präsidentschaftswahlen aufzumachen. Andererseits, das Rennen hat de facto gestern angefangen. Natürlich das Rennen um die Präsidentschaft, aber zunächst einmal um die Kandidatur für die Demokraten.

    Ich denke, wir dürfen insgesamt mit ca. 15-20 Kandidaten rechnen, einige haben ihr Interesse schon durchscheinen lassen, offiziell hat aber noch niemand seine Kandidatur erklärt. Das dürfte aber in den nächsten Tagen und Wochen geschehen, wenn die Aufmerksamkeit etwas von den Midterms und der Sessions-Geschichte wegweht, da werden die ersten auch offiziell den Hut in den Ring werfen.

    Ich will jetzt mal nicht alle Kandidaten durchkaspern, da kann man ja ganze Bücher drüber schreiben. Nur in aller Kürze, ich glaube nicht, dass die Demokraten jemanden nehmen, der über 70 ist, d.h., obwohl die alle zu den Frontrunnern der ersten Kategorie gezählt werden, scheinen mir Sanders, Warren und auch Biden nicht die Kandidaten zu sein, die wirklich für Aufbruch stehen. Sicher werden Harris und Bnooker gute Chancen haben, beide werden auch ziemlich sicher antreten. Ich denke, der natürliche Favorit ist O'Rourke, falls er denn antritt. Auch wenn er am Ende knapp verloren hat, hat er geziegt, dass er in einem tiefroten Staat bis auf 2 % herankommen kann, er hat mit seinem Wahlkampf und seinem Charisma sicher drei Kongressitze für die Demokraten klargemacht, die in seinem Fahrwasser mitgezogen wurden. Fall er sich zur Kandidatur entschließt, das ist keinesfalls sicher, wird er schwer zu schlagen sein aus heutiger Sicht.

    Es gibt noch ein paar andere interessante Leute, die alle ihre pros und cons haben. Der Kandidat, auf den ich jetzt mal ein paar Pennies setze ist Sherrod Brown. Brown hat gerade den Senatssitz in Ohio verteidigt. Hier ein die wichtigsten Punkte, die Brown zu einem interessanten Kandidaten machen:
    - Bringt mit Ohio einen der wichtigsten Swing-States mit
    - Gilt als relativ links / progressiv, ist also auch dem Sanders / Warren - Lager gut zu verkaufen, strahlt aber auch in den moderaten Flügel der Partei hinein
    - Am wichtigsten: Die Demokraten haben grob zwei Pfade, um die Präsidentschaft zu gewinnen. Entweder sie setzen auf die Minderheiten, also Latinos und Afroamerikaner, die LBGTQs usw. und versuchen damit Obamas Strategiue wiederzubeleben. Dafür wären Kamala Harris oder Cory Booker die richtigen Kandidaten, weil die in diesem Lager vermutlich am besten mobilsieren können (oder O'Rourke mit einem farbigen Running-mate). Oder aber, man setzt darauf den mittleren Westen zurück zu gewinnen, also Pennsylvannia, Michigan, wisconsin udn eben Ohio, gerade die staaten, die Clintin haarscharf verloren hat, weil die Demokraten die enttäuschte weiße Wählerschicht dort vernachlässigt haben. Dazu wäre Biden ein geeigneter Kandidat - oder eben Sherrod Brown, der deutlich jünger ist als Biden.

    Unter dem Strich hat Brown durchaus Aussichten falls er denn kandidiert. Nachdem in Georgia und Florida zwei Gouverneurswahlen mit farbigen Kandidaten knapp gescheitert sind, ist es sehr gut denkbar, dass ein Großteil der demokratischen Basis auf Nummer sicher gehen will, und da wäre Brown ein passender Kandidat. Er ist sicher ein außenseiter, aber viel weniger Außenseiter, als viele im Augenblick anscheinend denken.

    Bet 365 hat derzeit eine Quote von 81 für Brown (Präsidentschaft, nicht Kandidatur), und das erscheint mir deutlich zu hoch. Ich spiele 3 x 0,2 Einheiten zur Quote von 81. Ich spekuliere auf Folgendes: Wenn er seine Kandidatur verkündet und man sich mal genauer damit beschäftigt, was er denn in die Waagschale zu werfen hat, dürfte seine Quote deutlich sinken je nachdem ob O'Rourke auch kandidiert auf irgendwas um die 30-40, das heißt, da kann man 0,2 Einheiten zurück kaufen. Wenn es dann die heie Phase geht und er sich in den ersten Debatten nicht dämlich anstellt, die ersten vorwahlen okay laufen und er sich im Feld der 3-5 aussichtsreichsten Kandidaten etablieren kann, kann man noch einmal 0,2 Einheiten zurück kaufen. Na,und die verbliebenen 0,2 Einheiten behalte ich dann mal bis zum Wahlsieg ...

    Noch einmal, Brown ist ein Außenseiter, ich würde da jetzt echt die ganze Farm drauf verwetten. Aber ich glaube, dass jetzt die Zeit startet, wo nach und nach Bewegung in die Quoten kommt - und ein aus meiner sicht sehr plausibles Szenario ist, dass Brown nicht bei den 81 kleben bleibt.

    #2
    Vielleicht ist jetzt schon die Zeit gekommen die Hauptwette zur US-Wahl in zwei Jahren zu setzen. Vielleicht auch nicht, das sehen wir dann, aber ich wage jetzt schon einmal einen relativ großen Einsatz, weil mir der Zeitpunkt günstig erscheint.

    Vor ein paar Wochen habe ich 3 x 0,2 Einheiten Sherrod Brown zu 81 empfohlen, mit dem Gedanken, dass die Quote im Laufe der Zeit sicher sinken wird und man sich mit Gewinn rauskaufen kann. Die Wette finde ich immer noch ganz gut, auf die moderaten Einsätze habe ich ja hingewiesen. Bei Bet steht er inzwischen bei 26, was damit zu tun haben dürfte, dass Brown jetzt auch mal öffentlich laut über eine Kandidatur nachgedacht hat.

    Von den Hauptkandidaten hat aber bis jetzt noch niemand seine Kandidatur offiziell verkündet. Andeutungen gibt es von mehreren Kandidaten, aber Harris z.B. hat verlauten lassen, sie wolle sich über Weihnachten mal mit ihrer Familie beraten, ist ja schließlich eine Familienentscheidung – klaro. Das ist ein Muster, das man auch von anderen Kandidaten erwarten kann, die Feiertage abwarten und dann zum Jahresbeginn die Kandidatur verkünden. Man sollte nicht zu früh starten, weil man dann sofort die große Zielscheibe auf dem Rücken hat, aber zu spät ist auch doof aus 1000 Gründen.

    Eigentlich geht man davon aus, dass 15-20 Kandidaten in den Ring steigen werden, davon gelten als die Frontrunner Kamala Harris, Elizabeth Warren, Joe Biden, Bernie Sanders, O’Rourke, vielleicht noch Cory Booker. Kandidaten der zweiten Reihe sind aus meiner Sicht dann zurzeit Brown, Gillibrand, Amy Klobuchar, Gabbard, Eric Holder und Julian Castro. Alle von den Genannten haben ein paar gute Argumente und könnten sich durchsetzen. Und dann gibt es noch ein paar, die wohl eher Longshots sind: Avenatti, Newsom, Mitch Landrieu, vielleicht Hickenlooper. Und wer weiß, vielleicht taucht auch nochmal jemand ganz anderes auf. Zum gleichen Zeitpunkt 2006 war ein gewisser Barack Obama auch noch ein ziemlicher Außenseiterkandidat im Vergleich zu Hillary Clinton und John Edwards.

    Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders. Und vielleicht hat die Tatsache, dass von den dicken Fischen bisher noch niemand seine Kandidatur verkündet hat vor allem damit zu tun, dass alle darauf warten was denn Beto O’Rourke tun wird. In dem Augenblick, in dem er seine Kandidatur verkündet dürften viele aus der zweiten Reihe, aber auch z.B. Joe Biden noch ein zweites und drittes mal überlegen, ob sie antreten.

    O’Rourke hat während seiner Senatskandidatur eine Kandidatur für die Präsidentschaft immer ausgeschlossen, zum Teil sehr klar. Das ist halt das, was man so sagt, deshalb war das auch vor ein paar Wochen mit viel Skepsis zu lesen. Und jetzt kommt’s: tatsächlich, vor ein paar Tagen hat O’Rourke eine Kandidatur nicht weiter ausgeschlossen:

    https://edition.cnn.com/2018/11/26/p...run/index.html

    Wer es nicht durchlesen mag, halbwegs verklausuliert lässt er seine Kandidatur offen und will erstmal in Ruhe nachdenken, Zeit mit seiner Familie verbringen usw. Es ist aus meiner Sicht nicht ganz eindeutig das zu lesen, weil O’Rourke eben O’Rourke ist, aber klassischerweise ist das in der Politik der Code dafür, seine Kandidatur anzukündigen.

    Und wenn er antritt gewinnt er auch, und zwar erst die Vorwahlen und dann auch die Präsidentschaft, da stehen die Chancen wirklich gut. Da ist es natürlich schwer ein Staking zu empfehlen, letztlich muss das jeder selbst wissen, aber ich setze jetzt mal 5 Einheiten auf „O’Rourke gewinnt die Präsidentschaft“ zu 11 bei Unibet. Ich bin nicht der Riesen-Quotenchecker, aber Unibet ist das Beste, was ich gefunden habe, Bet z.B. gibt nur noch 8.

    Das Staking ist deshalb schwer, weil da ja drei mehr oder fette Bedingungen erfüllt werden müssen:

    Erstens: Er muss antreten. Das ist nach meiner Einschätzung zurzeit am schwersten vorherzusagen. Wie gesagt, normalerweise muss man seine Äußerungen so verstehen, aber wer weiß das schon so genau. Aber das Risiko gehe ich dann mal ein.

    Zweitens: Er muss die Vorwahlen gewinnen – gegen das oben genannte Kandidatenfeld. Da sind schon ein paar Schwergewichte dabei, aber wenn es so viele Frontrunner gibt, gibt es Wahrheit vielleicht keinen. Ich gebe da den Bookies recht, die zurzeit alle Kamala Harris vorne haben, was viel damit zu tun hat, dass die Vorwahlen in Kalifornien diesesmal vorgezogen sind und sie deshalb relativ früh mit einem ganz ganz fetten Deligiertenschub rechnen kann. Aber davor ist trotzdem Iowa, was eine zentrale Weichenstellung sein dürfte. Und so oder so, auch in Kalifornien dürfte Beto wettbewerbsfähig sein. Um es kurz zu sagen, ich rechne ihm sehr sehr gute Chancen ein die Kandidatur zu gewinnen. Vielleicht ist das Rennen tatsächlich viel früher entschieden, als man heute denkt. Und ich denke, viele, die heute als Kandidaten gehandelt werden, treten gar nicht erst an wenn O’Rourke die Kandidatur verkündet.

    Drittens: Er muss dann gegen Trump gewinnen. Auch da stehen die Chancen wohl sehr gut. Es gibt ein paar Kontras, vor allem, dass er leicht (und zurecht) als besonders links gelabelt werden kann (nach amerikanischen Maßstäben). Aber ob ihm das wirklich schadet ist fraglich. Dann gewinnt er halt nicht Indiana, was solls?

    Insgesamt ist O’Rourke die Fortsetzung von Obama mit anderen Mitteln, jung, charismatisch, Bilderbuchfamilie, glaubwürdig, positiv, vereinend. Das dürfte vielen, denen die fortgesetzte Polarisierung auf den Keks geht gut gefallen. Natürlich wird Trump weiter auf gut 40% Holzköpfe setzen können. Aber wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht (Terrorattacke, Trump fängt irgendwo einen Krieg an), ist Beto der klare Favorit.

    Alles in allem: 5 Einheiten zu einer 11er-Quote bei Unibet scheint mir derzeit ganz gut.

    Und nur als Disclaimer: ich bin der Typ, der vor gut zwei Jahren 10/10 auf Clinton gesetzt hat, und das auch noch zu einer Quote von 1,2 empfohlen hat. Im Grunde muss man also sagen, dass ich keine Ahnung habe – sollte man beim Staking also berücksichtigen.
    Zuletzt geändert von Moghul; 04.12.2018, 04:59.

    Kommentar


    • zucki
      zucki kommentierte
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      Trump@2,3 sehe ich als die definitiv bessere Option, würde ich mir ein langfr. Investm. im Wettbereich antun. Bis der Wahlkampf wirkl. beginnt, wird sich da noch einiges pro Trump tun. Da werden sich noch einige wundern, was da auf die Welt zukommt.

    • Moghul
      Moghul kommentierte
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      Bei Bet gibt es für Trump 2,75 Würde ich aber nicht nehmen. Das ist seit Ewigkeiten halbwegs konstant um diesen Wert herum. Und ich sehe nicht, wie sich das verändern sollte. Außer er zettelt irgendwo einen Krieg an halt.

    #3
    Zitat von Moghul Beitrag anzeigen


    Und nur als Disclaimer: ich bin der Typ, der vor gut zwei Jahren 10/10 auf Clinton gesetzt hat, und das auch noch zu einer Quote von 1,2 empfohlen hat. Im Grunde muss man also sagen, dass ich keine Ahnung habe – sollte man beim Staking also berücksichtigen.
    Das kann man getrost unterschreiben.

    Hinzuzufügen wär noch, dass wir hinsichtlich der Demographie der USA nicht noch einmal einen weißen Mann sehen werden, Trump hat alle Vorurteile bestätigt,einen Repeat von Trump kann man wohl ausschließen.

    Hat schon den Altersrekord, glaube kaum dass sich die Amis noch mal 4 Jahre mit einem dann 74jährigen geben wollen.

    Schon vorher wurde auf den White Man ohne Ende eingedroschen, da fühlen sich jetzt eh alle bestätigt also wird man das nicht noch einmal wollen.

    Rubio und Cruz wurden nicht umsonst im letzten Wahlkampf aufgebaut, deren Chancen werden eher steigen als fallen.

    Bei den Demokraten wird es ne Frau oder ein Minderheitenkandidat machen, kein weißer Mann.
    Zuletzt geändert von Groucho; 04.12.2018, 13:52.

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    • Moghul
      Moghul kommentierte
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      Bist ein Großer, Groucho, bist'n Großer!

    • Groucho
      Groucho kommentierte
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      Najanu, immerhin hab ich richtig gelegen und konnte das auch begründen. Scheint dich ja ziemlich zu beschäftigen, wie man so liest...

    • Demokrat
      Demokrat kommentierte
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      Dein Wort ( zu Trump )in Gottes Ohren, damit die Welt wenigstens ein bischen zur Ruhe kommt!
      Zuletzt geändert von Demokrat; 15.03.2019, 16:57. Grund: falsche Zeichen !?

    #4
    Hallo Zusammen,

    wird wohl mal Zeit für ein Update.

    Mal die schlechte Nachricht am Anfang: der Einsatz zur Brown-Wette ist dahin, weil Brown sich entschlossen hat, gar nicht erst anzutreten. Ich hatte Brown zu einem sehr kleinen Einsatz und zu einem Kurs um die 80 empfohlen, weil ich der Meinung war, dass er mehr (also weniger) Wert ist und ich auf die Auscash-Option spekuliert habe. Tatsächlich ist er dann bei den meisten Anbietern relativ schnell um 25 taxiert worden, aber nachdem er letzte Woche angekündigt hat, nun doch nicht anzutreten (obwohl vorher alles klar darauf hindeutete, er schon Fundraising betrieben hat usw.), ist die Kohle futsch – ich selbst habe auch nicht ausgecasht.

    Wie geht es jetzt weiter? Wer nicht weiter lesen will, gleich am Anfang: ich sehe im Augenblick keine Wette, die wirklich lohnenswert scheint. Im Laufe der Primaries werden sich sicher Chancen ergeben, aber zurzeit würde ich nicht setzen. Habe ja vor ein paar Monaten 5 Einheiten auf O’Rourke gesetzt, aber inzwischen ist die Quote nicht mehr attraktiv und ich würde da nicht erhöhen.

    Es gibt ja genügend politische Websites und hinreichend Horse-Racing-Sites, in der alle Kandidaten ständig gerankt werden, da muss ich das hier nicht auch exzessiv tun. Man kann auf jeden Fall sagen, dass es ein sehr sehr interessantes und spannendes, zumindest halbwegs offenes Rennen ist. Ein paar Dinge, die zu Beobachten wohl besonders interessant sind:

    alt vs. jung
    Mit Sanders, Warren und ziemlich sicher Biden treten drei Leute an, die jenseits der 70 sind, Sanders und Biden gehen auf die 80 zu. Das dürfte in der General Election gegen Trump kein großer Nachteil sein, der ja selbst in ein paar Wochen 73 wird. Aber es ist die Frage, ob die Demokraten so jemanden als Zeichen des Aufbruchs und der Erneuerung sehen können – und ob das überhaupt ein wichtiges Kriterium ist.

    Progressiv vs. Moderat
    Ich glaube, dass das am Ende wohl keine wirklich ausschlaggebende Rolle spielt, aber ein Faktor ist es schon. Die Partei ist insgesamt ein gutes Stück nach links gerückt und somit auch fast alle Kandidaten, was ein Nachteil für Warren und Sanders sein dürfte, die so weniger Profilierungsmöglichkeiten haben. Andererseits bleibt da die Frage, wer in der General am besten in das bürgerliche Lager hineinwirken kann. Ein Aspekt, der auf jeden Fall eine Rolle spielen wird, ist die Frage, wie Me-too-tauglich man / frau ist (Nachteil für Biden, wegen der Anita Hill- Anhörung) und ob man Geld von Großspendern angenommen hat (u.a. Biden, O’Rourke, Booker).

    Tradition vs. Moderne
    Zwei Wege führen ins Weiße Haus. Nummer eins zielt auf die enttäuschte weiße Wählerschaft im mittleren Westen und anderswo in Amerika ab. Wenn es den Demokraten gelingt, die drei überwiegend weißen Staaten zurück zu gewinnen, die Trump 2016 haarscharf gewonnen hat, die aber vorher solide demokratisch gewählt haben (Michigan, Wisconsin, Pennsylvannia), ist die Sache wohl gegessen. Das gelingt am besten mit einem weißen Kandidaten, grob aus der Region, am besten mit enger Verknüpfung an die Blue Collars (Biden, Klobuchar, durchaus auch O’Rourke). Der zweite Weg geht über das Wiederbeleben der Obama-Koalition, also über die Mobilisierung der Minderheiten. Das gelingt am besten über einen Kandidaten mit Minderheits-Background, womöglich sogar eine Kandidatin (Harris, Booker, Gabbard, Castro). Ziemlich sicher werden die Demokraten versuchen, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Ich glaube, dass das Ticket aus Kandidat und Vize ziemlich sicher gemischt sein wird, um in beide Zielgruppen hineinstrahlen zu können, also z.B. Biden und Harris, oder Harris und O’Rourke.

    Wählbarkeit, Wählbarkeit, Wählbarkeit
    Meine wichtigste These ist, dass die Demokraten diesesmal nicht die Diskussion führen werden, wer denn der linkeste, puristischste, progressivste Kandidat ist, der / die am glaubwürdigsten die reine Lehre verkörpern kann. Die Demokraten haben bei den Midterms sehr systematisch immer die Kandidaten aufgestellt (und in den Vorwahlen gewählt!), die die höchsten Siegchancen hatten – selbst wenn die für einen Demokraten streng genommen mitunter etwas zu rechts waren. Und das hat wunderbar funktioniert. Ich glaube sehr fest, dass die Demokraten vor allem diskutieren werden, wer Trump schlagen kann und dafür im Zweifelsfall auch die ein oder andere inhaltliche oder biographische Kröte schlucken werden.

    Kalender
    Iowa ist immer noch die erste Vorwahl, dann kommt New Hampshire, danach Nevada (glaube ich), so weit alles wie immer. Aber danach haben die Demokraten die Reihenfolge geändert, Kalifornien liegt zeitlich sehr weit vorne. Das ist deshalb von Bedeutung, weil man natürlich ständig schauen wird, wie viele Stimmen die Kandidaten schon gesammelt haben. Wer im Zwischenstand vorne liegt, bekommt am meisten Aufmerksamkeit. Das dürfte in diesem Fall einen fetten Vorteil für Kamala Harris bedeuten, die aus Kalifornien (wie Stimmen) kommt und deshalb wohl früh mit einem großen Vorsprung rechnen kann und damit dann als Frontrunnerin gelten dürfte. Sowas kann dann schnell ein Selbstläufer werden. Allerdings ist diesmal auch Texas weit vorne, Vorteil O’Rourke und Castro.

    Wenn man das alles zusammenrechnet, dann bin ich zum einen mit meinem Einsatz auf O’Rourke immer noch ganz glücklich. O’Rourke hat definitiv den Nachteil, dass er in seiner politischen Vita de facto sehr sehr wenig vorzuweisen hat. Auch dass er Spenden aus der Ölindustrie angenommen hat, dürfte ihm negativ ausgelegt werden. Aber andererseits punktet er mit seinem Charisma, seinem integrativen Ansatz, seiner Strahlkraft in das weiße und zugleich in das Latino-Lager. Starker Kandidat. Es ist viel zu früh im Prozess, aber, er ist ein starker Kandidat.

    Auch Biden ist für mich sehr gut vorstellbar, trotz der oben erwähnten Minuspunkte. Biden wäre ein halbwegs sicherer Kandidat für die General Election, die play-it-safe-Variante. Wenn die Partei vor allem das will, dann hat Biden sehr gute Chancen, selbst wenn er nicht gerade Aufbruch verkörpert.

    Wenn man darauf wetten könnte, dann würde ich darauf setzen, dass Sanders es nicht wird. Sanders hat immer noch eine hochmotivierte Anhängerschaft und seine Fundraising-Zahlen sind beeindruckend. Aber er dürfte in der General kaum wählbar sein, nicht nur wegen seines Alters. Der letzte, der einen grundlegenden Umsturz wollte und dann Präsident wurde war George Washington und das ist fast 250 Jahre her, sorry Bernie. Wenn es wirklich so ist, dass Wählbarkeit das zentrale Kriterium wird, dann ist Bernie raus und auch Warren.

    Im Augenblick liegen in den Umfragen immer Sanders und Biden vorne. Aber darauf darf man gar nichts geben. Das liegt schlicht an der Bekanntheit, sobald der Prozess mal etwas ins Laufen gekommen ist und die Leute sich auch mit den anderen Kandidaten beschäftigt haben, mendelt sich das raus.

    Wie gesagt, es gibt eine Menge interessante Kandidaten, jede/r hat ein paar gute Pluspunkte und ein paar Minuspunkte. Aber für den Augenblick haben für mich O’Rourke und Biden die Nase vorn. Wetten würde ich zu den Quoten, die ich kenne, aber derzeit nichts.

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