Wettsteuer - Sportwetten Wiki

alle Wett-Begriffe anzeigen Vor noch nicht allzu langer Zeit waren Sportwetten bei Wettfreunden mitunter auch deshalb so beliebt, weil es eine der wenigen Möglichkeiten war, mitunter hohe Geldbeträge zu investieren und dabei die Gewinne nicht versteuern zu müssen. Im Gegensatz zu Börsengewinnen, die in Deutschland ab rund 7.600 Euro pro Jahr mit satten 25% versteuert wurden (Abgeltungssteuer), war das Sportwetten stets von Besteuerungen ausgenommen und man musste in seiner Steuererklärung sich nie Gedanken darüber machen.

Dies änderte sich als die deutschen Finanzbehörden zunehmend bemerkten, dass sich das Sportwetten mit Aufkommen der Digitalisierung zu großen Teilen ins Internet verlagerte und was noch viel wichtiger war aus Sicht des Staates: man konnte die privaten ausländischen Anbieter nicht mehr aus dem deutschen Wettmarkt heraushalten, wie man es in monopolistischer Art und Weise im analogen Zeitalter zuvor noch bequem handhaben konnte, als es lediglich Oddset, den einzigen, weil staatlichen Anbieter auf dem deutschen Wettmarkt gab. Es ist ein wenig kurios, dass Oddset lange Zeit eine Monopolstellung genoss und der deutsche Staat konkurrenzlos Unsummen einnehmen konnte, da seine Bürger lediglich über Oddset Wetten abgeben konnten – und heute Oddset mit seiner Steuerfreiheit Werbung machen muss (es gibt ja lediglich eine Bearbeitungsgebühr von 50 bzw. 80 cent je nach Bundesland pro Wettschein), um sich so gegenüber privaten Anbietern behaupten zu können. Oddset und der deutsche Staat gelangten jedenfalls mit Aufkommen des digitalen Zeitalters immer mehr in Bedrängnis und private Anbieter mit Fimensitz im Ausland konnten und können vom deutschen Staat schlechterdings belangt werden.

Private Anbieter boten nicht nur viel bessere Quoten an sondern hatten auch ein viel größeres Wettangebot und die Handhabung am eigenen PC oder den aufkommenden Smartphones über mobiles Internet verstärkte die Lust der Wettfreunde sich vom verstaubten und wenig lukrativen Staatsmonopol Oddset ab- und den aus dem Boden sprießenden privaten Onlineanbietern zuzuwenden. Gleichzeitig eröffneten zahlreiche private Anbieter natürlich auch Wettbüros und machten den Oddset-Annahmestellen zusätzlich Konkurrenz. Letztlich schaltete sich, wie auf so vielen anderen Politikfeldern auch, die EU ein, um den Wettmarkt auf breiter Basis zu liberalisieren. Den deutschen Behörden war es demnach untersagt den Zugang von privaten Wettanbietern zum deutschen Wettmarkt zu erschweren und infolge dessen musste das deutsche bisherige Verfahren an europäische Standards angeglichen werden. Im Zuge dessen verabschiedete man zum 01. Juli 2012 eine Änderung im Glücksspielstaatsvertrag . Seither kassiert der Staat von jedem Anbieter eine Steuer in Höhe von 5% welche wiederum von den Buchmachern in der Regel direkt an die Wettfreunde weitergeleitet wird. Die Behörden kommen so ihrer Pflicht nach, ihre Bürger vor Glücksspiel zu schützen. Jedoch ist dieser Punkt natürlich vor dem Hintergrund kritisch zu betrachten als dass die Einführung einer Wettsteuer in keiner Weise die Beliebtheit von Sportwetten eingeschränkt hätte. Im Gegenteil. Der Boom des Internets und die Bequemlichkeit von Apps erlauben es inzwischen jedem halbwegs technikaffinen Menschen mithilfe von ausländischen privaten Wettanbietern von Deutschland aus Wetten auf alle erdenklichen Sportarten und Wettmärkte abgeben zu können. Je nach Anbieter erheben private Anbieter, die eine Wettlizenz erhalten haben von ihren Kunden eine Wettsteuer in Höhe von 4,76% auf Wetteinsätze oder in Höhe von 5% auf Wettgewinne.

Die eingeführte Wettsteuer, die für alle gilt, die in Deutschland als lizensierter Buchmacher in Erscheinung treten wollen, hat natürlich unterschiedliche Folgen gezeitigt. Einige Wettanbieter hatten sich unmittelbar nach Gesetzesänderung komplett aus dem deutschen Wettmarkt zurückgezogen, weil sie die 5% Wettsteuer nicht entrichten wollten. Trotzdem boomte das Geschäft mit Sportwetten digital dermaßen, dass die Anbieter, die sich von der Wettsteuern vergrault fühlten inzwischen wieder zurückgekehrt sind weitgehend. Einige Anbieter, vor allem aus dem skandinavischen Raum, versprachen zu Beginn, dass sie sie Wettsteuer nicht auf ihre Kunden abwälzen wollten, doch die meisten haben dieses Versprechen nach ein paar Jahren gebrochen und erheben nun die Wettsteuer ebenfalls vom Kunden, entsprechend ihrer Strategie entweder bei Wettabgabe oder bei Wettgewinnen. Einzelne Buchmacher haben die Einführung der Wettsteuer auch genutzt um ihre Kunden mit Bonusangeboten und Sonderkonditionen zufriedenzustellen und zu bewerben. So gibt es zum Beispiel Buchmacher, bei denen alle Gewinne aus Kombiwetten nach wie vor steuerfrei abgerechnet werden. Die Berechnungsmodelle, ob bei Wetteinsatz oder bei Wettgewinn die Steuerpflicht greift, sind sogar so unterschiedlich, dass es Wettanbieter gibt, bei denen online und offline (also in Wettbüros) oder live oder pre-match unterschiedliche Regeln gelten können. Beispielsweise gibt es auch ein paar Anbieter, die bei Kombiwetten den Nettogewinn auszahlen, insofern ein gewisses Quotenniveau in der Auswahl der Spiele und der Kombination der Spiele erreicht worden ist. Ein anderer Buchmacher hat zum Beispiel sein gesamtes Live-Wetten-Angebot steuerfrei gemacht, während reguläre Wetten vor einem Match steuerpflichtig sind.

Insgesamt kann man sagen, dass es heute nur noch sehr wenige Wettanbieter gibt, die die Steuerlast des Fiskus nicht direkt an ihre Wettkunden weitergeben. Das ist alleine schon aus Sicht der riesigen Umsätze und deren Besteuerung wenig verwunderlich. Andererseits ist die Wettsteuer in Höhe von 5% noch moderat gewählt worden und man kann aus Sicht des „Endverbrauchers“ nur hoffen, dass die Besteuerung nicht höher gesetzt wird in den nächsten Jahren, da Sportwetten ein dermaßen großes Geschäft geworden ist und heutzutage für namhafte Fußballvereine etwa die Zusammenarbeit mit Sportwetten-Sponsoren eine Selbstverständlichkeit darstellt. Alles in allem ist die Einführung der Wettsteuer für alle Wettfreunde eine zu verschmerzende Angelegenheit, da in Zeiten des staatlichen Wettmonopols nicht nur eine sehr geringe Auswahl von Wettmärkten vorherrschend war, sondern auch die Quoten deutlich niedriger waren und somit ebenfalls bereits eine unsichtbare Besteuerung stattgefunden hatte. In Zeiten von Smartphones, Apps und der digitalen Revolution ist das Sportwetten seit der Privatisierung des Wettmarktes aus seinem Nischendasein herausgetreten und ist heute ein viel massentauglicheres Phänomen geworden. Praktische Hemmschwellen, sind mit dem nicht mehr notwendigen Gang in die Wettbude beiseite geschafft worden und das Sportwetten ist allgemein durch Werbung und Kooperationsverträge mit bekannten deutschen Fußballvereinen omnipräsent geworden. Das Wetten auf Sportveranstaltungen hat somit auch etwas von seinem unseriösen Image verloren, wenn auch durch die Einführung der Wettsteuer die Rentabilität für Wettfreunde gegenüber der digitalen Sattelzeit, als man zwar schon online Wetten konnte, es aber noch keine Wettsteuer gab, abgenommen hat. Auch andere Länder wie zum Beispiel Frankreich, Belgien, Niederlande besteuern Sportwetten recht hoch, in Österreich sind Sportwetten für Spieler steuerfrei.
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